Zupp

Hans Magnus Enzensberger: Zupp. Eine Geschichte von Hans Magnus Enzensberger / in der sehr viel vorkommt / mit Bildern von Gisela Andersch / auf denen sehr viel drauf ist, / nämlich ... Olten, Freiburg: Walter 1959. 16 unpaginierte Blätter mit zahlreichen farbigen Abbildungen.

Umschlag

Enzensbergers erstes Kinderbuch. Erzählt wird vom Löwen Zupp, der lilafarben ist und die Katzen Zapp, Zepp, Zipp, Zopp und die Kinder Jockel, Caspar und Netti sowie das Ich, das die Geschichte erzählt, verschluckt.

Aber der Reihe nach: Weihnachtsabend, die vier Kinder haben sich Katzen gewünscht, aber die Eltern, der Großvater und die griesgrämige große Schwester haben gar kein Verständnis für solche Wünsche. Trompete, Baukasten, Puppe und Fernrohr sollen als Ersatz herhalten. Es kommt, wie es kommen muß: die Enttäuschung der Kinder führt zum Weihnachtskrach und – ab ins Bett! Doch vom Bett geht's erstmal heimlich auf den Speicher und dort entspringen einem geheimnisvollen Schließkorb die vier Katzen und dann der Löwe, der gleich das Haus erobert, die Gute Stube der Familie auseinandernimmt, dann Katzen und Kinder verschluckt. Weiter geht's im Löwenbauch durch die nächtliche verschneite Stadt, wo man verschiedene Autoritäten: Feuerwehr, Polizei, Lehrer und geizigen Kaufmann, das Fürchten lehrt. Zurückgekehrt vor das elterliche Haus, hat sich der Löwe erkältet. Er niest die Kinder mit der Katze Zipp wieder aus. Dann schleicht er sich, ohne noch von etwas Notiz zu nehmen, zurück in seinen Korb und – ist verschwunden. Die Eltern tun natürlich, als sei nichts gewesen, selbst die Katze dürfen die Kinder behalten. Die Geschichte schließt mit der Erkenntnis, daß man mit einem Löwen weiterkommt als ohne und man auf dem Speicher hin und wieder mal nachgucken sollte, ob er nicht zurückgekommen ist.

Kombiniert aus einfachen Elementen wie die Bildgestaltung von Gisela Andersch, ist auch die Geschichte aufgebaut. Bei der Benennung der Katzen werden die Vokale durchgenommen. Die beteiligten Personen von den Eltern bis zum geizigen, aber feigen Kaufmann sind mit grob sortierten stereotypen Eigenschaften ausgestattet, die Stationen der nächtlichen Reise wohlkalkuliert. Der Löwe selbst ist eine Art Maschine, die, sitzt man erstmal im Bauch, gesteuert werden kann wie ein Panzer. Kinderreime, die formelhaft Löwensubstantive durchdeklinieren: Löwenbauch, Löwenhand, Löwenvieh, Löwenschmerz, Löwenbiest usw. („Li–La–Löwenruh, Korb leer, Deckel zu!“), begleiten Willkomm und Abschied des letztlich doch gutmütigen Raubtiers. Das ist größtenteils noch heute vergnüglich zu lesen, und insbesondere die verhandelte Moral ist wohl zu allen Zeiten geeignet, autoritär gehaltenen Kindern Wege ins Freie zu weisen; Phantasie, Neugier, Zusammenhalt und Furchtlosigkeit zu stärken.



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