Der Zahlenteufel.

Hans Magnus Enzensberger: Der Zahlenteufel. Ein Kopfkissenbuch für alle, die Angst vor der Mathematik haben. Gestaltet und mit Bildern versehen von Rotraut Susanne Berner. München, Wien: Hanser 1997.

Umschlag

Der Zahlenteufel erschien ursprünglich im Hanser Verlag als 264 Seiten starker Band. Er ist matt eingebunden, hat kräftiges Papier und der Druck ist klar und deutlich, die gewählte Schrifttype recht groß, wie bei Kinderbüchern üblich. Das Buch richtet sich vorrangig an jüngere Leser, ist jedoch auch für ältere interessant. Es handelt von dem Jungen Robert, dem im Traum der titelgebende Zahlenteufel erscheint. Robert hat wie viele Kinder Angst vor der Mathematik. Zuerst weist Robert den Teufel von sich, dieser gibt aber nicht auf und ködert Robert schließlich mit dem Versprechen, ihn von seinem Alpträumen zu erlösen. In den zwölf Nächten respektive Kapiteln, die das Buch umfasst, führt er den Jungen immer tiefer in die Welt der Mathematik.

Der Teufel beginnt ganz harmlos, mit den Ziffern an sich, geht jedoch schnell zu komplexeren Themen über. So lernt Robert noch in der ersten Nacht die Grundlagen der Bruchrechnung und der Multiplikation kennen, bis zum Ende der Geschichte ist er dann sogar mit weiterführenden Elementen der Geometrie vertraut gemacht worden und kann mit seinem Wissen endlich seinem grantigen Lehrer Dr. Bockel beweisen, wie viel in ihm steckt.

Enzensberger vermittelt den Stoff auf ungewohnte Weise. Er nimmt Abstand von den klassischen Lehrmethoden. Er gibt nicht nur anschauliche Beispiele in der Traumwelt Roberts, sondern verwirft die gesamte komplizierte Fachsprache. Topologische Objekte werden zu Brezeln, die Wurzel zum Rettich und das Potenzieren zum Hopsen. Dadurch wird der gesamten Materie viel von ihrer abschreckenden Wirkung genommen und der Leser, jung wie alt, findet vereinfachten Zugang zur Denkweise der Mathematik. Diese möchte Enzensberger auch scharf vom Rechnen, das man aus der Schule kennt, abgrenzen. Es geht ihm vor allem um das Verständnis der Theorie dahinter, nicht so sehr um die Praxis. Die Schaubilder und kleinen Formeln sehen wie von Hand geschrieben aus und wirken, in die Gedichte eingebettet, sehr angenehm. Die Sprache des Buches ist amüsant. Die behandelten mathematischen Vorgänge dagegen erfordern schon eine gewisse Grundkenntnis seitens des Lesers, denn das Buch beginnt zwar auf einem recht niedrigen Niveau, zieht jedoch im Schwierigkeitsgrad schnell an. Im weiteren Verlauf des Buches wird der Leser zunehmend mit einbezogen, kann selber kleine Denkaufgaben oder Rechnungen lösen und so auch überprüfen, ob er ebenfalls anwenden kann, was der Zahlenteufel erklärt hat. Das Buch stellt somit eine sehr ungewöhnliche Symbiose dar: ein literarischer Text, in dem die Mathematik erklärt wird. Der Zahlenteufel ist gut lesbar, gefällt aber zugleich durch seine mathematische Korrektheit.

Der Geschichte voraus geht eine Widmung an die zehnjährige Tochter des Autors. Abgeschlossen wird das Buch von einem umfassenden Index der Themengebiete und einer Danksagung an alle Mathematik–Fachleute, die Enzensberger bei der Entstehung des Buches geholfen haben. Den Charakter des fliegenden Robert hat Enzensberger später in Wo warst du, Robert? erneut aufgegriffen und auf eine weitere Reise geschickt.



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