verteidigung der wölfe

Hans Magnus Enzensberger: verteidigung der wölfe. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1957.

Umschlag

Das Buch mit dem Titel verteidigung der wölfe, erschienen 1957, ist der erste veröffentlichte Gedichtband von Hans Magnus Enzensberger. Die Gedichte sind in drei Abteilungen gegliedert: in freundliche, traurige und böse Gedichte. Auffällig beim ersten Durchblättern ist, dass alles in diesem Band klein geschrieben ist. Eine sogenannte gebrauchsanweisung liegt dem Buch als loses Blatt bei. Darin wird beschrieben, wie man als Leser mit dem Buch umgehen kann, aber auch, wie der Autor seine Gedichte verstanden wissen möchte. Vielleicht steht diese gebrauchsanweisung anstelle eines Vorworts.

Formal fällt der starke Einsatz der poetischen Mitteln auf. Insbesondere die „Einbeziehung sämtlicher Sprachbereiche“1. Die Gedichte wirken streng komponiert und strukturiert. Inhaltlich sind die Gedichte in verteidigung der wölfe politische Gedichte. Die freundlichen zeigen die „Sehnsucht nach dem einfachen und erfüllten Leben“ (Grimm, S. 15), die traurigen führen „Klage über Sinn- und Ausweglosigkeiten“ (ebd.), die bösen Gedichte behandeln „Anklagen konkreter, zeitgebundener Mißstände“ (ebd.). Im Nachkriegsdeutschland, in dem man versuchte, die Vergangenheit zu verdrängen und zu tabuisieren, erregte diese Art politischen Schreibens und direkter Kritik Aufmerksamkeit. Die zeitgenössische Nachkriegslyrik zeichnete sich dadurch aus, dass sie vorwiegend „Naturmagie und Landschaftsidylle“2 thematisierte. Alfred Andersch meinte: „Enzensberger hat geschrieben, was es in Deutschland seit Brecht nicht mehr gegeben hat: das große politische Gedicht“. Es gab aber auch Stimmen, die nicht so positiv waren. Ein Vorwurf lautete etwa, dass „Metaphorik und Rhetorik des Gedichtbandes [...] die Unschärfe seiner politischen Analyse“ (KLG, S. 3) verdeckten.

Insgesamt wurde Enzensberger als junger Autor zunächst nicht ganz ernst genommen. Man sah ihn zwar als drängenden, jugendlichen Wortkünstler mit viel Talent und großer Zukunft (Grimm, S. 20) und man übersah „großzügig“ das Politisch-Polemische in seinen Gedichten, das den meisten Kritikern eher wie ein Versehen vorkam. Erst nach weiteren Werken, aus denen ersichtlich wurde, dass die Zeit- und Gesellschaftskritik nicht zufällig Gegenstand der Lyrik Enzensbergers war, ist die verteidigung der wölfe zu einem ernstgenommenen, anerkannten und wegweisenden Werk geworden. Dies wird unterstrichen durch das Erscheinen einer Neuauflage 1981, der ein Nachwort von Reinhold Grimm angefügt ist. In dieser Neuauflage ist die Kleinschreibung der ersten Auflage normalisiert.



Materialien

Weitere Ausgaben

Inhalt



1Hans Magnus Enzensberger. Hrsg. von Reinhold Grimm. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1984. S. 16. (suhrkamp taschenbuch materialien, 2040) Im Folgenden zitiert als Grimm, Seitenangabe.
2Kritisches Lexikon zur deutschsprachigen Gegenwartsliteratur: Hans Magnus Enzensberger (Stand 1.1.1997). S. 2. Im Folgenden zitiert als KLG, Seitenangabe.