Über dieses Projekt

Sein Anlaß ist ein zweifacher. Es war erstens Teil der zu leistenden Ausarbeitungen für ein Einführungsseminar in die neuere deutsche Literaturwissenschaft an der RWTH Aachen im Wintersemester 2003/04. Es möchte zweitens eine kleine Hommage zu Enzensbergers 75. Geburtstag am 11. November 2004 sein.

Sein Ziel ist auch ein zweifaches. Zum einen sollte den Teilnehmern an diesem Seminar neben den gewöhnlichen Übungen in Arbeitstechniken des Faches eine Ausarbeitung angeboten werden, mit der sie gleich zu Beginn ihres Studiums an eine (begrenzte) Öffentlichkeit herantreten. Es bestand Hoffnung, daß dies die Motivation zum Schreiben und dessen Verbindlichkeit erhöhen würde. Zum anderen reagiert dieses Projekt auf eine Fehlanzeige in der bisherigen Enzensberger–Forschung: der weitverzweigten Buchproduktion dieses Autors einmal bis ins Einzelne nachzugehen. Es soll in Form von Verzeichnissen (und als Ergänzung aller bisher vorhandenen Bibliographien) den Inhalt der Sammelbände von Gedichten, Prosa, Dramen, Essays, Vermischtem bekannt machen und darüber hinaus alle Bücher, auch die Ausgaben einzelner Werke, kurz beschreiben.

Als Form lag der Katalog nahe. Zu jedem Buchtitel werden bibliographische Angaben, Kurzbeschreibungen, wo nötig eine Inhaltsangabe und wo möglich eine Abbildung des Einbandes gegeben. Man kann also das Projekt auch als eine Art Ausstellung im Internet ansehen.

Die Kurzbeschreibungen der Bücher liegen ganz in der Verantwortung der jeweils genannten Verfasser. Bei ihrer Lektüre ist in Rechnung zu stellen, daß es sich überwiegend um Studienanfänger handelte. Sie hatten je zwei bis drei Bücher sich zu beschaffen, zu lesen und zu rezensieren. Naturgemäß fielen Art und Qualität der Texte sehr verschieden aus. Die Redaktion hat zwar stilistisch und kürzend eingegriffen, den Aufbau der Texte, den Gang der Beschreibungen und Argumentationen aber in der Regel unangestastet gelassen. Gewähr nach den Standards von Wissenschaft und Forschung kann dafür nicht in jedem Fall gegeben werden. Es ging nicht darum, den bereits vorhandenen Beschreibungen der wichtigsten Werke Enzensbergers Konkurrenz zu machen.

Der Gegenstand des Projekts ist Hans Magnus Enzensberger als Buchautor. Nur auf diesen begrenzten Ausschnitt seiner fast ungeheuer zu nennenden Produktion richtete sich die Aufmerksamkeit. Zumeist unerwähnt bleiben seine Zeitungs– und Zeitschriften–, Hörfunk– und Filmpublikationen, seine Übersetzer– und insbesondere seine Herausgebertätigkeit, aber auch die Übersetzungen seines Werks in andere Sprachen konnten nicht berücksichtigt werden. Freilich spricht wenig dagegen, sich auch diesen Arbeitsgebieten, vielleicht einmal in Form von ähnlichen Katalogen, zu nähern.

Folgende Hilfsmittel aus der Enzensberger–Forschung haben wir dankbar und mit viel Anerkennung benutzt:
— Rainer Wieland: Auswahlbibliographie. In: Du. Die Zeitschrift der Kultur. Heft Nr. 699, September 1999: Hans Magnus Enzensberger. Der Raum des Intellektuellen, S. XXXII–XXXIII.
— Rainer Wieland: Hans Magnus Enzensberger. Bibliographie. In: Der Zorn altert, die Ironie ist unsterblich. Über Hans Magnus Enzensberger, hrsg. von Rainer Wieland. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1999 (= suhrkamp taschenbuch, 3099), S. 249–341. (= Wieland 1999)
— Hermann Korte: Hans Magnus Enzensberger. In: Kritisches Lexikon zur deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. München: edition text + kritik (Stand 1. 1. 1997).
— Alfred Estermann: Hans Magnus Enzensberger. Eine Bibliographie. In: Hans Magnus Enzensberger, hrsg. von Reinhold Grimm. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1984 (= suhrkamp taschenbuch materialien, 2040), S. 343–435.
Literaturverzeichnis. In: Frank Dietschreit, Barbara Heinze–Dietschreit: Hans Magnus Enzensberger. Stuttgart: Metzler 1986, S. 148–169.

Zur Biographie Enzensbergers vgl.: http://www.suhrkamp.de/autoren/autor.cfm?id=1134

Holger Gehle
November 2004


 

Zwei Jahre (und ein Hauptseminar) später, wird, unter Beibehaltung der alten Form, eine Fortsetzung des Projekts veröffentlicht, die Enzensbergers Herausgebertätigkeit erschließt. Knapp fünfzig neue Buchporträts sind nun eingestellt, der bearbeitete Zeitraum ist der zwischen 1958 (Clemens Brentano: Gedichte, Erzählungen, Briefe; S. Fischer Verlag Frankfurt am Main) und 1999 (Eine literarische Landkarte; Goldmann Verlag, München).

Ausgespart wurden
  • eine für den Schwedischen Rundfunk zusammengestellte Prosasammlung (Neue Prosa mal elf, 1961);
  • die von Enzensberger mitherausgegebene italienische Zeitschrift Tempo illustrato (1983-1984);
  • die von Enzensberger betreute Weltliteratur-Reihe des Osloer Verlags Cappellen. Zwischen 1963 (Isaak Babel: Reiterarmee) und 1967 (Samuel Beckett: Der Namenlose) erschienen dort insgesamt fünfzehn Bücher in norwegischer Übersetzung mit Werken von Babel, Gide (Die Falschmünzer), Musil (Törless), Wolfe (Schau heimwärts, Engel!), Beckett (Molloy, Malone stirbt, Der Namenlose), Borges (Labyrinthe), Henry Miller (Wendekreis des Krebses), Sartre (Der Ekel), Sherwood Anderson (Winesburg, Ohio), Kafka (Die Erzählungen), Miroslav Krleza (Povratak Filipa Latinovicza), Brecht (Die Geschäfte des Herrn Julius Caesar), und Faulkner (Wilde Palmen).
  • Zu weiteren Einzelheiten vgl. die Bibliographie bei Wieland 1999.
  • Im Jahr 1985 gründete Enzensberger die Andere Bibliothek und blieb bis heute der Gesamtherausgeber dieser Buchreihe. Selbstverständlich konnten nicht alle dort erschienenen Bände genau dokumentiert werden. Eine Übersicht in numerischer Folge (auch bei Wieland 1999) ist zu sehen, einzelne Bücher werden dargestellt, wenn Enzensberger selbst als Bearbeiter zeichnete (Ludwig Börne und Heinrich Heine. Ein deutsches Zerwürfnis, 1986; Europa in Trümmern, 1990; Nie wieder! Die schlimmsten Reisen der Welt, 1995). Das Wasserzeichen der Poesie von 1985 hat Enzensberger unter dem Pseudonym Andreas Thalmayr zu großen Teilen selbst verfaßt. Besondere Aufmerksamkeit in den Feuilletons fand das im Jahr 2004 von Enzensberger inaugurierte "Humboldt-Projekt", dem daher eine ausführliche, exemplarisch zu verstehende Darstellung gewidmet wurde. Ein typisches Begleitmagazin zu den Neuerscheinungen der Anderen Bibliothek in den achtziger Jahren findet man in den "Materialien" zum Börne/Heine-Buch.

    Holger Gehle
    November 2006