Vom Terror der Verschwendung.

Vom Terror der Verschwendung / Text von Hans Magnus Enzensberger. Fotographie von Leonore Mau. Eingerichtet von Wolfgang Kaiser. S. 5. Koethel/Stormarn: Haus–Grenzenlos–Verlag 1993. (Haus Grenzenlos. Nr. 75.)

Der Text Vom Terror Der Verschwendung liegt hier in einer ungewöhnlichen Form vor, nämlich als Postkarte. Diese steckt in einem weißen Umschlag, welcher mit einem kleinen Fenster auf der linken, oberen Seite bedruckt ist. Die Karte an sich ist ebenfalls weiß und aufklappbar. Auf der Vorderseite trägt sie denselben Aufdruck, der bei Ansichtskarten auf der Rückseite zu finden ist.

Klappt der Leser die Karte auf, so findet er auf der linken Seite ein kleines Heft, in welchem der Text Vom Terror Der Verschwendung abgedruckt ist. Die rechte Seite der Karte zeigt ein Bild von Leonore Mau. Es ist die Fotografie eines Sandbodens, auf dem ein kaputter rosa Plastikeimer liegt. Neben ihm ist ein toter, verwesender Vogel zu sehen, und neben diesem wiederum zwei Fußabdrücke. Ein Bild, dass eher trostlos als erfreulich wirkt. In jedem Fall dürfte es die Erwartung enttäuschen, die der Leser an eine Postkarte heranträgt.

Der Text selbst liefert eine gesellschaftskritische Auseinandersetzung mit dem Verschwendungsverhalten der Menschen. Der Schriftsteller bezeichnet die gängige Praxis der Verschwendung als „banale Regel, die noch nicht mal mit einer Menge an Spaß versehen ist“, weil ein großzügiger Spender oder Gastgeber selbst zu Zeiten der Verschwendung nicht zu finden sei. Er konstatiert, dass der Mensch in einem Dualismus gefangen sei, der ihn einerseits sparen und andererseits der Lust an der Verschwendung frönen lasse. Vor allem setzt sich der Autor mit dem Typ des Bausparers (S. 5) auseinander, einem Typ also, der vielen seiner Leser vertraut sein dürfte. Schließlich unterscheidet Enzensberger drei Arten der Verschwendung, nämlich die harte, die süße und die öde Verschwendung. Die zunächst exemplarische Gesellschaftskritik weitet sich so schnell zur Kritik am gesamten deutschen System aus. Den Verschwendern wird ironisch auf den Schlips getreten: „Je sinnloser (ihre) Ausgaben, desto unaufhaltsamer“ (S. 6).

Der Zweck dieser Karte besteht darin, sie jemandem zu schicken, der durch sie auf freundliche Art auf seine Fehler aufmerksam gemacht werden soll. Eine Aufgabe, die Enzensberger besser nicht hätte erfüllen können. Der Impuls für das Verfassen des Textes ging von einem Aufruf des Ministeriums aus, das die Bürger aufforderte, „den Gürtel enger zu schnallen“ (S. 1).