Nelly Sachs: Ausgewählte Gedichte

Nelly Sachs: Ausgewählte Gedichte. Nachwort von Hans Magnus Enzensberger. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1963. (Edition Suhrkamp. 18.)

Titelblatt
Als 18. Band der Reihe Edition Suhrkamp gab Hans Magnus Enzensberger 1963 das Buch Ausgewählte Gedichte von Nelly Sachs (1891-1970) heraus. Die Auswahl beginnt mit den Gedichten, gefolgt von Enzensbergers achtseitigem Nachwort, einer Kurzbiographie von Nelly Sachs und schließlich einem Inhaltsverzeichnis, das auch die Bände kenntlich macht, aus denen die Gedichte entnommen sind.

Das Werk umfasst 54 Gedichte, die Enzensberger als "hart, aber durchsichtig" charakterisiert. Ihm zufolge bedürfen sie sorgfältiger Lektüre und Analyse, der Leser darf weder ungeduldig noch darauf fixiert sein, die Gedichte exakt zu übersetzen und zu deuten. In ihnen steht immer ein Rest, der geheimnisvoll bleibt, und das macht das Werk von Nelly Sachs aus. Sie tritt ein für andere und leiht ihnen bildlich gesprochen eine Stimme. Enzensberger beschreibt Sachs vielschichtige Arbeit als ein einziges Buch, an dem sie viele Jahre geschrieben hat, dessen Ursprung ein religiöser ist. Schlagworte wie "Buch", "Schrift", "Urkunde" und "Alphabet" kennzeichnen ihr Werk als Anlehnung an biblische Vorbilder. Enzensberger stellt einige Elemente fest, die immer wieder in den Gedichten vorkommen: Als erstes Bild nennt Enzensberger den Schmetterling, der ein Zeichen für Evolution und Verwandlung und dennoch Gleichheit ist. Der Aspekt der Flucht scheint ebenfalls wichtig zu sein, denn auch dieser tauche in vielen Gedichten auf. Enzensberger untermauert seine Thesen immer wieder durch Zitate aus den Texten, wodurch das Nachwort einen sehr griffigen, runden Charakter bekommt und es dem Leser leicht gemacht wird, die Argumentationsstruktur nachzuvollziehen.

Die Auswahl der Gedichte wird nicht näher begründet, aber ihr inhaltlicher Zusammenhang mehrfach hervorgehoben. So beschreibt Enzensberger am Schluss seines Nachworts das "Buch", also das gesamte Werk der Nelly Sachs, als Weg, als Flucht und als Ankunft und als untereinander an allen Punkten verbundenes "Adernetz".

Julia Schocke
2006

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