Allgemeines Deutsches Reimlexikon

Allgemeines Deutsches Reimlexikon. Herausgegeben von Peregrinus Syntax [Friedrich Ferdinand Hempel]. Neudruck der Ausgabe Leipzig 1826. Mit einer Gebrauchsanleitung von Hans Magnus Enzensberger. Band 1 und 2. Frankfurt am Main: Insel Verlag 1982 (= Insel Taschenbuch 647). 1600 Seiten.

Umschlag, 2. Band
Umschlag, 1. Band
Es handelt sich bei diesem Buch um einen Nachdruck des 1826 erstmals gedruckten Reimlexikons des unter dem Pseudonym Peregrinus Syntax publizierenden Friedrich Ferdinand Hempel. In seiner Gebrauchsanleitung schreibt Hans Magnus Enzensberger: "Mit über 300 000 Einträgen ist das Allgemeine Deutsche Reimlexikon von Peregrinus Syntax (vulgo Ferdinand Hempel) das vollständigste Kompendium seiner Art, das unsere Sprache je hervorgebracht hat."

In diesem zweibändigen Lexikon findet man eine Fülle von Reimpaaren, vor allem aus der Sprache des 18. und 19. Jahrhunderts. Aber auch Wörter, die im 19. Jahrhundert schon obsolet waren. Enzensberger schreibt in seiner Gebrauchsanleitung zu diesem Lexikon von der Sammelwut Hempels, die seiner Meinung nach schon an eine Art Wahn grenzte. Hempels Ziel, das er beim Zusammentragen der Reimwörter für dieses Nachschlagewerk verfolgte, war das Erreichen von Vollständigkeit. Darum war es ihm recht, nicht nur gängige Wörter der Alltagssprache, sondern auch "Legionen von Fremdwörtern, Idiotismen, Patronymiken etc" aufzunehmen. Hans Magnus Enzensberger beschreibt Hempels Verfahren wie folgt:

In seinem Bestreben sich auf alles und jedes nicht nur einen Reim zu machen, sondern deren Dutzende, schreckt er auch nicht davor zurück, die abwegigsten grammatischen Ableitungen zu verzeichnen, so dass ein und dasselbe Wort in allen denkbaren Abwandlungen erscheint. Keine Kasusendung, keine Steigerungsform, kein Modus, kein Numerus, kein Imperativ und kein Partizip ist vor ihm sicher, und schier unbegrenzte Möglichkeiten der deutschen Wortbildung treibt er bis an die Grenzen des Wahns. Eine Art von Verzückung ergreift ihn besonders bei Composita.
Als Beispiel führt Enzensberger die 76 Bohnenarten an, die das Lexikon verzeichnet, man findet diese auf S 397 f. des zweiten Bandes. Die Gebrauchsanleitung ist aber nicht nur ein Kommentar zu Hempels besinnungslosem Sammelfleiß und den Eigentümlichkeiten der hier aufgelisteten Reimwörter. Es ist auch eine echte Gebrauchsanweisung, wie man sich in dem Lexikon zurecht findet und welche Werke das Lexikon gut ergänzen würden. Die Anleitung hat Enzensberger in sechs Teile gegliedert und jedem der kleinen Abschnitte einen eigenen Titel geben:
  1. "Der Reim an sich ist kein Thema."
  2. Ein Lexikon kann nie zu umfangreich sein.
  3. Das Alphabet ist ein Irrgarten.
  4. Der Fortschritt bricht sich auch im Krebsgang Bahn.
  5. Wirf das Buch weg und reime!
  6. Im Zweifelsfall entscheidet nie das Buch, sondern das Ohr.

Jede dieser Überschriften ist ein Kommentar, den Enzensberger dann ausführlich erläutert, mit Ausnahme des letzten Punktes, der keiner Ausführung mehr bedarf. Enzensberger stellt das Reimlexikon mit einem "Augenzwinkern" vor und rät, es nicht allzu erst zu nehmen.

Katrin Bruns
2006

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