Der Menschenfreund

Hans Magnus Enzensberger: Der Menschenfreund. Komödie. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1984.

Der Band umfasst Enzensbergers Komödie und ein Nachwort. Inhaltlich orientiert sich Enzensberger an dem Werk Est–il bon? Est–il méchant? Ou Celui les sert tous n'en contente aucun (Ist er gut? Ist er böse? oder Wer allen dienen will, stellt keinen zufrieden) von Denis Diderot. Der französische Aufklärer, Philosoph und Schriftsteller lebte von 1713 bis 1784, sein wichtigstes Werk ist die große umfassende Universal–Enzyklopädie, an der er, unterstützt von anderen Aufklärern, 25 Jahre lang arbeitete. Diderots Text veranlasste Enzensberger „zu einer freien Bearbeitung und schließlich zu einer respektvollen Zerstörung“ (Nachwort, S. 143f). So entleiht Enzensberger Diderot einige seiner Figuren und gibt ihm selbst die Hauptrolle in seinem Stück.

Die Komödie spielt um das Jahr 1765 auf dem Landsitz der Madame de Chepy, unweit von Paris. Die Madame veranstaltet auf ihrer eigenen kleinen Bühne regelmäßig Premieren von Theaterstücken für ihre Bekannten. Jaques und Picard sind zwei Diener ihres Hauses, über deren Unzuverlässigkeit sich Madame de Chepy stetig ärgert. Eines Tages bittet sie ihren Freund Diderot in kurzer Zeit ein exklusives Stück für ihre nächste Premiere zu verfassen. Dieser ist aber wenig angetan von der spontanen Idee seiner Freundin und gibt den Auftrag an einen unbekannten Kollegen weiter. Dennoch nistet sich Diderot auf dem Landsitz ein und gibt vor, selber an einem Stück zu arbeiten. Als nun die Leute im Dorf von dem hohen Besuch hören, der als sehr menschenfreundlich, intelligent und hilfsbereit gilt, kann sich Diderot vor Bittenden und Ratsuchenden kaum noch retten. So schlichtet Diderot vom Landgut aus beispielsweise Familienstreitigkeiten, verhilft einer jungen Witwe zu ihrer Rente und unterstützt einen Polizeimeister dabei, einen Schuldschein loszuwerden. Zudem „verbündet“ er sich mit Jaques und Picard, um ihnen den Umgang mit der etwas anstrengenden Madame de Chepy zu erleichtern. Kurz: Diderot sorgt für einiges Aufsehen.

Die Komödie ist im Oktober 1984 erstmals in Berlin aufgeführt worden und wurde im selben Jahr als Bühnenmanuskript im Verlag der Autoren veröffentlicht. 1988 ist die Komödie im Volk und Welt Verlag in Ost–Berlin veršffentlicht worden.



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