Kursbuch 1965-1975

Kursbuch 1965-1975. Juni 1965 - Dezember 1970, Nr. 1 - Nr. 22: Herausgegeben von Hans Magnus Enzensberger. März 1971 - Dezember 1973, Nr. 23 - Nr. 34: Herausgegeben von Hans Magnus Enzensberger und Karl Markus Michel. (Dezember 1971, Nr. 26: Herausgegeben von Peter Schneider.) April 1974 - Juni 1975, Nr. 35 - Nr. 40: Herausgegeben von Hans Magnus Enzensberger, Karl Markus Michel und Harald Wieser. Ab September 1975, Nr. 41: Herausgegeben von Karl Markus Michel und Harald Wieser unter Mitarbeit von Hans Magnus Enzensberger, Redaktion: Ingrid Karsunke. (Mitarbeit Enzensbergers endet im Juni 1990, Nr. 100.) Nr. 1 - 20: Suhrkamp Verlag. Nr. 21 - 31: Kursbuch Verlag / Wagenbach. Ab Nr. 32: Kursbuch / Rotbuch Verlag.

1965 1966 1967 1968 1969 1970 1971 1972 1973 1974 1975

Die drei bis vier Mal im Jahr erscheinende Zeitschrift Kursbuch wurde zwischen 1965 und 1975 u. a. von Hans Magnus Enzensberger herausgegeben und brachte kommentierende, linksgerichtete Essays zum aktuellen politischen Weltgeschehen in dieser Zeit. Neben seiner Herausgeberschaft veröffentlicht Enzensberger eigene Aufsätze, kommentiert oder übersetzt Einsendungen anderer und leitet Diskussionen. Im September 1975 gibt Enzensberger seine Herausgeberschaft auf und zieht sich weitgehend aus dem Kursbuch zurück; die Zeitschrift dagegen besteht bis zum heutigen Tag. Hauptthemen unter Enzensbergers Mitwirkung sind beispielsweise: die Studentenrevolten in Deutschland, die "Cuba-Krise", der Ruf nach einer deutschen Revolution und die mögliche Rüstung Deutschlands mit einer Atombombe.


1965

Kursbuch 1
Umschlag

  1. Samuel Beckett: Faux Départs - Falsch angefangen
  2. Jürgen Becker: Glücksreihen
  3. Pentti Saarikoski: Was geschieht in Wirklichkeit
  4. Tadeusz Rózewicz: Non Stop Shows
  5. Martina Werner: Monogramme
  6. Peter O. Chotjewitz: Hommage ŕ Frantek
  7. Uwe Johnson: Eine Kneipe geht verloren
  8. Karl Markus Michel: Die sprachlose Intelligenz I
  9. Dossier 1: Ein Streit um Worte:
    1. Interview mit Jean-Paul Sartre, Le Monde, 18. 4. 1964
    2. Claude Simon: Für wen schreibt denn Sartre?
    3. Interview mit Jean-Paul Sartre, Clarté, März-April 1964
  10. Dossier 2: Aufzeichnungen von einem Prozeß:
    1. Peter Weiss: Frankfurter Auszüge
    2. Martin Walser: Unser Auschwitz
Kursbuch 2
  1. Frantz Fanon: Von der Gewalt
  2. Carlos Fuentes: Rede an die Bürger der USA
  3. Fidel Castro: Rede vor den Vereinten Nationen
  4. Joan Robinson: Von China aus gesehen
  5. Roland Barthes: Afrikanische Grammatik
  6. Dossier 1: Der Iran und sein Wohltäter
  7. Dossier 2: Apartheid als Geschäft
  8. Dossier 3: Entwicklungshilfe oder Ausbeutung? Eine Debatte aus Schweden
  9. Dossier 4: Volkes Stimme. Deutsche Leserbriefe über die Dritte Welt
  10. Hans Magnus Enzensberger: Europäische Peripherie

Zu Europäische Peripherie (wieder abgedruckt in: H.M.E.: Deutschland, Deutschland unter anderm. 1967, S. 152-176.)
In dem Essay Europäische Peripherie kritisiert Enzensberger das repressive Denken und Handeln der westlichen Welt sowie deren Einteilung der Welt in die Kategorien "wir" und "die". Mit beiden Maßnahmen würde die reiche Welt nur den Blick auf das Wesentliche, die beginnende Emanzipation der armen Länder, verschleiern. So seien beispielsweise Begriffe wie "Entwicklungsland" absichtlich euphemistisch gewählt, um die Angst, die diese Länder in der reichen Welt hervorrufen, zu überdecken. Um allerdings eine friedliche Lösung für den aufkeimenden Konflikt zwischen den armen und reichen Ländern zu finden, sei eine repressive Politik kontraproduktiv; diese zeuge vielmehr von Unwissenheit. Enzensberger rät deswegen, sich mit der Situation der armen Länder aktiv auseinander zu setzen, um auch in Zukunft ein friedliches Zusammenleben zu ermöglichen.

Kursbuch 3
  1. Michel Foucault: Die Spuren des Wahnsinns
  2. Carlo Emilio Gadda: Wie ich arbeite
  3. Ror Wolf: Begegnung mit Rach, einem alten Bekannten
  4. Paavo Haavikko: Münchhausen
  5. Lars Gustafsson: Die Ballonfahrer
  6. August Strindberg: Lotungen im Luftmeer
  7. Lorenz Oken: Kombinatorisches System der Pflanzenwelt
  8. Dietrich Werner: Ich habe gewisse Schwierigkeiten
  9. Willem F. Hermans: Manuskript, gefunden in einer Klinik
  10. Heinz Häfner: Einblicke in Wahnwelten. Eine Dokumentation
  11. Dossier: Wahn und Politik
    1. Nachricht von der Oberwelt, gegeben im Jahre 1793
    2. Nervenanhänge in wilhelminischer Zeit (Daniel P. Schreber)
    3. Stahlführungen, nebst einem Flugblatt des ungenannten Verfassers
    4. Hermann Kahn: KLAF - eine Versicherung gegen Atomkriegs-Schäden
  12. Donald Barthelme: Spiel
  13. Gisela Elsner: Das Vorbild
  14. Christian Enzensberger: Die Verminderung des Menschen
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1966

Kursbuch 4
  1. Katechismus zur deutschen Frage
  2. Hans Magnus Enzensberger: Brief an den Bundesminister für Verteidigung, Herrn Kai-Uwe von Hassel
  3. Volker Braun: Fünf Gedichte aus Deutschland
  4. Fritz Rudolf Fries: Die Werft
  5. Jochen Ziem: Brief aus Halle, Juni 1953
  6. Franco Fortini: Das sprechende Pferd
  7. Günter Herburger: Ventile
  8. Wolfram Flößner: Tonbänder
  9. Jochen Lobe: Hamburg
  10. Martin Walser: Eine gewöhnlich verlaufende Reise
  11. Bernd Peschken: Nachrede
  12. Dossier: Fahrlässige Werbung
    1. Der Anzeigenteil der Deutschen Nationalzeitung
  13. Karl Markus Michel: Die sprachlose Intelligenz II: Muster ohne Wert (Westdeutschland 1965)

Zu Brief an den Bundesminister für Verteidigung, Herrn Kai-Uwe von Hassel (wieder abgedruckt in: H.M.E.: Deutschland, Deutschland unter anderm. 1967, S. 27-36.)
Der Brief an den Bundesminister für Verteidigung (CDU) ist von Enzensberger sehr inronisch gehalten. Er unterbreitet Kai-Uwe von Hassel aus Sicht eines Parteifreundes einen Vorschlag, wie Deutschland trotz des Genfer Abrüstungsabkommens den Bau einer Atombombe in die Wege leiten könnte. Der fiktive Parteifreund weist dabei darauf hin, dass das Vorhaben der CDU bereits durch kommunistische Propaganda an die Öffentlichkeit geraten sei und rät dem Bundesminister in einer abschließenden Bemerkung deswegen ein striktes Vorgehen gegen derartige "Verleumdungen".

Kursbuch 5
  1. Beschreibung einiger Dinge. Aztekische Glossen aus dem Codex florentinus
  2. Edoardo Sanguineti: Purgatorio del' Inferno
  3. Helmut Heißenbüttel: Zwei Gedichte
  4. Lars Gustafsson: Thorn
  5. Lars Gustafsson: Bildnis eines Amerikaners
  6. Alexander Bryan Johnson: Aus dem Traktat über die Sprache
  7. Ferdinand de Saussure: Der Gegenstand der Sprachwissenschaft
  8. Rudolf Carnap: Strukturbeschreibung
  9. Jurij Tynjanow und Roman Jakobson: Probleme der Literatur- und Sprachforschung
  10. Manfred Bierwisch: Strukturalismus. Geschichte, Probleme und Methoden
  11. Jerry A. Fodor und Jerrold J. Katz: Sprachphilosophie und Sprachwissenschaft
  12. Claude Lévi-Strauss: Sprache und Gesellschaft
  13. Roland Barthes: Die strukturalistische Tätigkeit
Kursbuch 6
  1. Lawrence Ferlinghetti: Where is Vietnam?
  2. Dossier I: Die amerikanische Opposition gegen den Krieg in Vietnam. Zusammengestellt von Georg Mohr
  3. Dossier II: Erzählungen aus einem chinesischen Dorf. Aufgezeichnet von Jan Myrdal
  4. Detlef Kantowsky: Das Versagen der indischen Landreform
  5. Bo Gustafsson: Versuch über den Kolonialismus
  6. Maurice Dobb: Wirtschaftliches Wachstum und unterentwickelte Länder
  7. Peter Weiss und Hans Magnus Enzensberger: Eine Kontroverse

Zu Eine Kontroverse:
In Eine Kontroverse nimmt Peter Weiss zunächst Stellung zu Enzensbergers Essay Europäische Peripherie aus dem 2. Kursbuch. Weiss kritisiert, dass die Definition und Einteilung Enzensbergers in eine arme Welt einerseits und eine reiche andererseits problematisch sei. So lasse sich auch in der reichen Welt Armut ausmachen, die uns - die reiche Welt - in den gleichen sozialen Kampf einreiht, den Enzensberger ausschließlich in der armen Welt gegeben sieht. Enzensberger bezieht sich im Folgenden auf die Kritik Weiss' und hinterfragt die Ziele sowie die Strategie des von Weiss geschilderten sozialen Kampfes in der westlichen Welt. Enzensberger stellt abschließend heraus, dass Weiss' These, die reiche Welt könne sich auf Grund der dort herrschenden Armut mit der Armut der Entwicklungsländer identifizieren, haltlos sei.

Kursbuch 7
  1. Reinhard Lettau: Der Feind
  2. Hans Frick: Schlesinger
  3. Heiner Müller: Der Lohndrücker
  4. Max Frisch: Erinnerungen an Brecht
  5. Klaus Völker: Brecht und Lukás. Analyse einer Meinungsverschiedenheit
  6. Heinrich Böll: Briefe an einen jungen Nicht-Katholiken
  7. Reinhard Lettau: Journalismus als Menschenjagd
  8. Dossier 1: Ein Wirtschaftstag der CDU
  9. Dossier 2: Kommentare zur deutschen Frage
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1967

Kursbuch 8: Neue Mathematik/Grundlagenforschung/Theorie der Automaten
  1. Samuel Beckett: Sechzehn Steine
  2. Bertrand Russell: Die Mathematik und die Metaphysiker
  3. A. d' Abro: Die Kontroversen über das Wesen der Mathematik
  4. Arend Heyting: Ein Streitgespräch
  5. Friedrich Waismann: Suchen und Finden in der Mathematik
  6. Ludwig Wittgenstein: Bemerkungen über die Grundlagen der Mathematik
  7. Alan M. Turing: Kann eine Maschine denken?
  8. John von Neumann: Allgemeine und logische Theorie der Automaten
  9. Claude Levi-Strauss: Die Mathematik vom Menschen
  10. Anmerkungen der Redaktion
Kursbuch 9:Vermutungen über die Revolution/Kontroversen über den Protest
  1. Herbert Marcuse: Ist die Idee der Revolution eine Mystifikation?
  2. Dossier 1: Kronstadt 1921 oder die Dritte Revolution. Zusammenstellung und Kommentar von Hans Magnus Enzensberger
  3. Jacek Kuron und Karol Modzelewski: Offener Brief an die Polnische Arbeiterpartei
  4. Joachim Schickel: Dialektik in China. Mao Tse-tung und die Große Kulturrevolution
  5. Dossier 2: Vietnam und die Weltrevolution. Eine Kontroverse
  6. Noam Chomsky: Vietnam und die Redlichkeit des Intellektuellen
  7. Martin Walser: Praktiker, Weltfremde und Vietnam
  8. Uwe Johnson: Über eine Haltung des Protestierens
  9. Martin Walser: Auskunft über den Protest
  10. A. A.: Zur Kritik der progressiven Intelligenz in Deutschland. Eine Stimme aus der Dritten Welt
  11. Karl Markus Michel: Die sprachlose Intelligenz III
  12. Anmerkungen der Redaktion
Kursbuch 10
Umschlag

  1. Dossier: Chlebniov und andere
  2. Velimir Chlebniov: Gedichte
  3. John Barth: Reise durch das Nachtmeer
  4. Giorgio Manganelli: Diskurs über die Schwierigkeit, mit den Toten zu kehren
  5. Christian Enzensberger: Größerer Versuch über den Schmutz I
  6. Ror Wolf: Pilzer und Pelzer
  7. Chris Bezzel: straßen und häuser
  8. Hans Magnus Enzensberger: Fünf verschiedene Gedichte
  9. Günter Herburger: Dogmatisches über Gedichte
  10. Günter Herburger: soso Vietnam aha
  11. Jürgen Becker: Momente. Ränder. Erzähltes. Zitate
  12. Klaus Roehler: Die Leibwächter oder Der Präsident kommt
  13. Uwe Johnson: Ein Brief aus New York
  14. Fred Schönitz: avantgardistisches traktat
  15. Anmerkungen der Redaktion

Zu Fünf verschiedene Gedichte:
1. Gedicht über die Zukunft. Zwei Männer kommen auf einem Traktor.
2. Illustrierte Geschichte der deutschen Revolution
3. Vorschlag zur Staatsrechtsreform
4. Berliner Modell
5. Lied von denen auf die alles zutrifft und die alles schon wissen

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1968

Kursbuch 11: Revolution in Lateinamerika
Umschlag

  1. Peter Weiss: Che Guevara!
  2. Imperialismus und Revolution in Lateinamerika:
    1. Imperialismus und kapitalistische Entwicklung
    2. Der bewaffnete Aufstand
    3. Internationaler Kontext: China, Cuba, Vietnam
  3. Interview mit Douglas Bravo
  4. Fidel Castro: Rede vom 13. März 1967
  5. Antwort der kommunistischen Partei Venezuelas
  6. Dossier: Lateinamerikanische Annalen
  7. Hans Magnus Enzensberger: Berliner Gemeinplätze

Zu Berliner Gemeinplätze (wieder abgedruckt in: H.M.E.: Palaver. Politische Überlegungen 1967-1973. 1974, S. 7-40)
In dem Essay statuiert und erörtert Enzensberger die Angst, mit der die Deutschen der Revolution begegnen. Die Möglichkeit einer solchen, so Enzensberger, habe es in Deutschland bisher nur einmal nach dem zweiten Weltkrieg gegeben. Eine Revolution danach sei nicht mehr möglich gewesen, da das kapitalistische System diese immer zu verhindern gewusst habe. Durch steigende materielle und immaterielle Zugeständnisse sei das Volk in eine Abhängigkeit und Passivität getrieben worden, so dass ein Ausbrechen aus dem System zur Unmöglichkeit geworden sei. Abschließend wirft Enzensberger die Frage auf, welche Möglichkeiten der Selbstverwaltung in einem Industrieland bestehen, wenn doch die Medien, die Massen täglich aufs Neue indoktrinierten. Die eigentlichen Wünsche und Bedürfnisse des Volkes würden auf diese Weise unterdrückt, ebenso wie eine Revolution, die nur aus den Bedürfnissen eines Volkes erwachsen könne.

Kursbuch 12: Der nicht erklärte Notstand. Dokumentation und Analyse eines Berliner Sommers von Peter Damerow, Peter Furth, Odo von Greiff, Maria Jordan und Eberhard Schulz
  1. Präambel: Brief eines Berliners an den AStA der Freien Universität
  2. Polizei I: An der Bürgerkriegsfront oder: Die permanente Notwehr
  3. Politik in der Freien Universität
  4. Polizei und demonstrierende Minderheit. Zur Vorgeschichte des 2. Juni
    1. "Die Stimmung der Berliner Wachtmeister"
    2. "Eine Steigerung der polizeilichen Maßnahmen"
  5. Rekonstruktion einer Räumung
    1. Die taktische Situation
    2. Die Eskalation
    3. Exkurs: Die Arbeitsweise des Parlamentarischen Untersuchungsausschusses
    4. Der Angriff
    5. Exkurs: Der Angriff vor dem Untersuchungsausschuß
    6. Straßenschlacht
    7. Verfolgung
    8. Der nicht erklärte Notstand
  6. Polizei II: Projektion und Provokation
  7. Polizei III: Konforme Kriminalität
  8. Volkes Stimme
  9. Justiz
    1. 1. Phase: Rädelsführer als Verkehrssünder
    2. 2. Phase: der große außergewöhnliche Justizeinsatz
  10. Nachbemerkung
Kursbuch 13
Umschlag

  1. Bahman Nirumand: Die Avantgarde der Studenten im internationalen Klassenkampf
  2. Bernhard Schütze: Widerstand an Spaniens Universitäten
  3. Carlo Donolo: Theorie und Praxis der Studentenbewegung in Italien
  4. Dossier 1: Studenten in Prag
  5. Dossier 2: Warschauer Bilanz
  6. Heinz Rudolf Sonntag: Versuch über die lateinamerikanischen Universitäten
  7. X. X.: Brief aus Brasilien
  8. Dossier 3: Politische Kriegsdienstverweigerung
  9. Walter Kreipe: Studenten in Frankreich. Hintergrund und Potential einer politischen Bewegung
  10. Oskar Negt: Studentischer Protest - Liberalismus - "Linksfaschismus"
  11. Hans Magnus Enzensberger: Berliner Gemeinplätze II

Zu Berliner Gemeinplätze II (wieder abgedruckt in: H.M.E.: Palaver. Politische Überlegungen 1967-1973. 1974, S. 7-40)
Enzensberger kritisiert die Bewegungslosigkeit des Systems, in dem Veränderung gleichzeitig immer auch eine Bedrohung bedeutet. Die Massen müssten deswegen einerseits durch die Medien in Schach gehalten werden, andererseits bestehe allerdings immer das Bestreben, möglichst viele in seinen eigenen Reihen zu wissen. Ein ambivalentes System wie das in Deutschland sei deswegen besonders instabil. Um jedoch trotzdem eine gewisse Stabilität zu gewährleisten, sei es von Nöten ein Feindbild zu errichten, welches die Volksgemeinschaft dazu bringe, das System zu unterstützen. Nach Enzensberger sei der erklärte Feind aktuell der Student, den es zu eliminieren gelte. Damit aber das Bild Deutschlands nach außen bewahrt werden könne, greife man zu einer Taktik der Zermürbung, nicht der totalen Kontrolle. Enzensberger gibt abschließend zu bedenken, dass die Studentenbewegung nur dann wirklich zum Staatsfeind werden könne, wenn sie es schaffe a) ein Programm zu entwickeln, das nicht in die Sozialdemokratie abrutsche und b) genügend Anhänger finde, die helfen eine gesamtgesellschaftliche Auseinandersetzung herbeizuführen.

Kursbuch 14: Kritik der Zukunft
  1. Claus Koch: Kritik der Futurologie
  2. Dossier 1: Die Zukunft der Konterrevolution
    1. Ithiel de Sola Pool: Das internationale System in den kommenden 50 Jahren
    2. Eugene W. Rostow: Die zukunft der Internationalen Gesellschaft
    3. Alvin M. Weinberg: Quick technological fixes
  3. Paul Goodman: Plauderstunde mit der Rüstungs-Industrie
  4. Dossier 2: Die Eröffnung des rhodesischen Zeitalters oder Einübung in die freie Welt. Science-Fiction-Literatur in Deutschland. Von Jürgen Holtkamp
  5. Friedrich Engels: Von der Autorität. Mit einer Glosse von H. M. Enzensberger
  6. Bahman Nirumand und Eckhard Siepmann: Die Zukunft der Revolution
  7. Alfred Boettcher: Über die Schwierigkeit, zeitgenössisch zu sein
  8. Dossier 3: Konkrete Utopie. Zweiundsiebzig Gedanken für die Zukunft. Mit Beiträgen von Géza Kirchknopf, Reinhold Oberlercher, Rolf Schwendter und Heinz Rudolf Sonntag. Redaktion und Kommentar: Hans Magnus Enzensberger
  9. Ein Gespräch über die Zukunft mit Rudi Dutschke, Bernd Rabehl und Christian Semler. Moderation: Hans Magnus Enzensberger

Zu Friedrich Engels: Von der Autorität. Mit einer Glosse von H. M. Enzensberger:
In Von der Autorität kritisiert Engels die Antiautoritarier, die zwar einerseits die soziale Revolution erreichen, andererseits jedoch zu diesem Zweck die Autorität abschaffen wollen. Da allerdings Revolution immer einem Teil der Gesellschaft ihren Willen aufzwinge, sei nach Engels ein solches Vorgehen nicht möglich: Revolution sei naturgemäß schon autoritär. Zudem könne die Autorität der Großindustrie nicht abgeschafft werden, da dies der Technologie zuwider laufe; die Industrie müsste dann abgeschafft werden. Enzensberger jedoch führt diese Ideologie Engels' auf ein technokratisches Denken zurück. Die Autorität könne und müsse gebrochen werden, denn schließlich führe die Technologie nur einen gesellschaftlichen Auftrag aus. Diesen Auftrag zu brechen sei die Aufgabe einer sozialen Revolution. Das Unvermögen diesen Prozess zu durchbrechen führe die kapitalistischen Interessen nur fort und sei "konterrevolutionär"1.

Zu Konkrete Utopie. Zweiundsiebzig Gedanken für die Zukunft:
Auf die im Kursbuch 11 zu lesende Ankündigung eines Preisausschreibens, in dem der beste Gedanke über die Zukunft prämiert wurde, gingen insgesamt 72 Beiträge ein. Zur Kritik eines Gedanken für die Zukunft von Heinz Rudolf Sonntag, ist einer von 72 Essays. Sonntag erhebt hier Einspruch gegen die Aufforderung, konkrete Utopien zu entwickeln. Er kritisiert die Forderung des Kursbuchs, die "denkende[…] und handelnde[…] Verwirklichung der konkreten Utopie"2, sei durch das Denken der Utopie allein nicht zu verwirklichen. Im Folgenden rechtfertigt sich Enzensberger für die Forderung einer konkreten, utopischen Konzeption von Zukunft. Die Praxis, mit der das Gedachte, die Theorie verbunden werden sollte, sei immer schon vorhanden und gehöre der Gegenwart an, nicht einer fernen Zukunft.

Zu Ein Gespräch über die Zukunft:
Enzensberger stellt zu Beginn des Gespräches die Frage, ob es eine revolutionäre Zukunft in hochindustrialisierten Ländern geben könne. Die Gesprächsteilnehmer sind der Meinung, dass, damit eine Revolution stattfinden könnte, ein Transformationsprozess stattfinden müsse, der die Abschaffung der Bürokratie betreibe. Allerdings bedeute der Umsturz politischer Verhältnisse auch immer die Veränderung der Technologie: da diese Bestandteil der Bürokratie sei, müsse die Struktur der Technologie verändert werden, nicht der Wissensstand. Die Gesprächsteilnehmer stellen im Verlauf fest, dass es in unserer Gesellschaft keine Gruppierung gebe, die im Stande wäre eine Revolution ins Leben zu rufen. Nachdem eine kontroverse Diskussion über eine mögliche revolutionäre Zukunft Berlins geführt wurde, statuiert Enzensberger schließlich, dass man ein Zukunftsszenario wohl unmöglich lückenlos zeichnen könne, es aber darauf ankomme, sich der Lücken bewußt zu sein.

1Enzensberger, Hans Magnus: Glosse zu einem alten Text. In: Kursbuch 14. 1968. S. 67-70. Hier: S. 70.
2Siehe: Enzensberger, Hans Magnus: Anmerkungen der Redaktion. In: Kursbuch 11. 1968. S. 170f.
Kursbuch 15
  1. I
  2. Der Cimarrón: Aus den Erzählungen eines ehemaligen Sklaven
  3. Lu Hsün: Vier Schriften über Literatur und Revolution
  4. Dossier: China. Kultur. Kultur Revolution Literatur
  5. II
  6. Samuel Beckett: Watt
  7. Daniil Charms: Fälle
  8. Heiner Bastian: Die Grammatik der Vorgänge. Gedichte
  9. Ingeborg Bachmann: Vier Gedichte
  10. Nicanor Parra: Antipoesie
  11. Lars Gustafsson: Über das Phantastische in der Literatur
  12. Julio Cortázar: Verdächtige Verwandtschaften
  13. III
  14. Mao Tse-tung: Ein unveröffentlichtes Gedicht
  15. Gaston Salvatore: Versuche über Unsereinen
  16. Donald Barthelme: Report
  17. Arnfrid Astel: Acht Epigramme
  18. Friedrich Christian Delius: Vier Gedichte
  19. Michael Buselmeier: Theater
  20. Yaak Karsunke: Anachronistische Plemik
  21. Karl Markus Michel: Ein Kranz für die Literatur
  22. Hans Magnus Enzensberger: Gemeinplätze, die Neueste Literatur betreffend

Zu Gemeinplätze, die Neueste Literatur betreffend (wieder abgedruckt in: H.M.E.: Palaver. Politische Überlegungen 1967-1973. 1974, S. 41-54.)
In dem Essay argumentiert Enzensberger, dass eine revolutionäre Literatur nicht existiere, da Literatur sich den Gesetzen des Marktes völlig unterworfen habe. Gesellschaftskritik finde auf diese Weise keinen Eingang; die Schriftsteller könnten allerdings dafür nicht verantwortlich gemacht werden. Diejenigen, die tatsächlich versuchten mit ihrer Literatur etwas Revolutionäres zu erreichen, seien gefangen in der Dialektik zwischen der ursprünglichen Aufgabe der Schriftsteller und den Ergebnissen ihrer Schriften. Die Schriftsteller seien "Alphabetisierer"1 die die Produktionsverhältnisse in den Medien nicht im Stande seien zu übergehen. Die Arbeit der Alphabetisierer, so mahnt Enzensberger, dürfe deswegen in Zukunft nicht das zentrale Ziel aus den Augen verlieren, revolutionär zu sein. Das kapitalistische Interesse an Literatur mit hohem Marktwert werde auf diese Weise negiert, so dass der Gebrauchswert den Marktwert bei weitem übersteige.

1Enzensberger, Hans Magnus: Gemeinplätze, die Neueste Literatur betreffend. In: Kursbuch 15. S. 187-197. Hier: S. 197.
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1969

Kursbuch 16: Kulturrevolution - Dialektik der Befreiung
  1. Peter Schneider: Die Phantasie im Spätkapitalismus und die Kulturrevolution
  2. Walter Kreipe: Spontaneität und Organisation. Lehren aus dem Mai-Juni 1968
  3. Dossier zu Spontaneität und Organisation (Arbeiter reden - Bei Massey-Ferguson)
  4. Dialektik der Befreiung: Vorträge des Londoner Kongresses 1967
  5. Giovanni Jervis: Rückblick auf einen Kongreß
  6. Ronald D. Laing: Undurchschaubarkeit und Evidenz in modernen Sozialsystemen
  7. Stokeley Carmichael: Black Power
  8. Jules Henry: Soziale und psychologische Kriegsvorbereitung
  9. John Gerassi: Imperialismus und Revolution in Amerika
  10. Paul M. Sweezy: Die Zukunft des Kapitalismus
  11. Herbert Marcuse: Befreiung von der Überflußgesellschaft
  12. Kursbogen:
    1. Peter Schneider: Rede an die deutschen Leser und ihre Schriftsteller
Kursbuch 17: Frau - Familie - Gesellschaft
  1. Katrin Schrader-Klebert: Die kulturelle Revolution der Frau
  2. Hazel E. Hazel: Unwissenschaftliche Betrachtungen eines weiblichen Monsters
  3. Petra von Morstein: Der Begriff "Frau"
  4. Dossier: Emanzipation. Auszüge aus vier Lebensläufen. Protokolliert von Erika Runge
  5. Luc Jochimsen: Frauen in der Bundesrepublik: die Mehrheit die sich wie eine Minderheit verhält
  6. Edoarda Masi: Die Familie im alten und im neuen China
  7. Heide Berndt: Kommune und Familie
  8. Kommune 2 (Christel Bookhagen, Eike Hemmer, Jan Raspe, Eberhard Schultz): Kindererziehung in der Kommune
  9. Regine Dermitzel: Thesen zur antiautoritären Erziehung
  10. Kursbogen:
    1. Kommune 2: Liebesspiele im Kinderzimmer
Kursbuch 18: Cuba
  1. José Marti: Die Schleuder Davids
  2. Dossier: Manuela die Mexikanerin. Fünfzig Jahre cubanischer Geschichte, gesehen mit den Augen einer Köchin
  3. Faure Chaumón: Der Angriff auf den Präsidentenpalast
  4. Enrique Oltuski: Die Männer vom flachen Land
  5. Norberto Fuentes: Geschichten aus dem Escambray
  6. Edmundo Desnoes: Erinnerungen eines Zurückgebliebenen
  7. Sergie de Santis: Bewusstsein und Produktion. Eine Kontroverse zwischen Ernesto Che Guevara, Charles Bettelheim und Ernest Mandel über das ökonomische System in Cuba
  8. Aurelio Alonso: Wider die Lehrbücher des Marxismus
  9. Fidel Castro: Rede zur Revolutionären Offensive
  10. Fidel Catsro: Rede über die Universitäts-Revolution
  11. Heberto Padilla: Fünf Gedichte
  12. José Yglesias: Cuba unter Fünfundzwanzig
  13. Hans Magnus Enzensberger: Bildnis einer Partei. Vorgeschichte, Struktur und Ideologie der PCC
  14. Kursbogen
    1. Carlos María Gutiérrez: Tupamaros. Neue Methoden. Stadtguerilla

Zu Bildnis einer Partei (wieder abgedruckt in: H.M.E.: Palaver. Politische Überlegungen 1967-1973. 1974, S. 55-90.)
Enzensberger gibt in seinem Essay einen Überblick über die historische sowie strukturelle und ideologische Entwicklung der Kommunistischen Partei Cubas (PCC). Er kritisiert dabei vehement den desolaten Zustand der Partei und führt diesen auf das Fehlen eines ideologischen Programms zurück. Fidel Catros Reden seien nicht zuletzt deswegen gezeichnet von Widersprüchlichkeit. Praxisbezogene Theorie sei deswegen, auch wenn Castro diese zu fürchten scheint, unabdingbar, um eine klare Linie in das parteiliche Programm zu bringen und den Fortbestand der PCC zu sichern.

Kursbuch 19: Kritik des Anarchismus
  1. Michail Bakunin: Brief an Aleksander Herzen
  2. Wolfgang Dreßen: Gegen Narzißmus und Volkstümelei
  3. Eric J. Hobsbawn: Was kann man noch vom Anarchismus lernen?
  4. Iosif Vissarionovic Stalin: Anarchismus oder Sozialismus?
  5. Wolfgang Harich: Zur Kritik der revolutionären Ungeduld
  6. Pietro Cavallero: Brief aus dem Gefängnis
  7. Hansmartin Kuhn: Über Krisen-Management
  8. Konrad Boehmer/Ton Regtien: Provo - Modell oder Anekdote
  9. Joachim Schickel: "Wu cheng-fu" oder Anarchismus in China
  10. Karl Markus Michel: Herrschaftsfreie Institutionen?
  11. Kursbogen
    1. Die Anarchisten auf dem Picadilly: ratlos
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1970

Kursbuch 20: Über ästhetische Fragen
Umschlag

  1. Walter Benjamin: Fragment über Methodenfragen einer marxistischen Literatur-Analyse
  2. Rolf Tiedemann: Notiz zu einem Fragment Benjamins
  3. Christian Enzensberger: Die Sache mit der Literatur, die Sache mit der Person
  4. Martin Walser: Über die Neueste Stimmung im Westen
  5. Hans Christoph Buch: Von der möglichen Funktion der Literatur. Eine Art Metakritik
  6. Yaak Karsunke: Die Straße und das Theater
  7. Wolf Wondratschek: Roman
  8. Klaus Roehler: Die Abrichtung. Deutsche Sätze für Schüler und Erwachsene
  9. Klaus Stiller: Zum Beispiel H.
  10. Martin Jürgens: Der Staat als Kunstwerk. Bemerkungen zur ‚Ästhetisierung der Politik'
  11. Wolfgang Fritz Haug: Zur Kritik der Warenästhetik
  12. Hans Magnus Enzensberger: Baukasten zu einer Theorie der Medien
  13. Eckhard Siepmann: Rotfront Faraday. Über Elektronik und Klassenkampf. Ein Interpretationsmuster

Zu Baukasten zu einer Theorie der Medien (wieder abgedruckt in: H.M.E.: Palaver. Politische Überlegungen 1967-1973. 1974, S. 91-129.)
Enzensberger referiert in diesem Essay über die positiven Aspekte der Medien, die nicht nur, wie durch die Neue Linke propagiert werde, der Manipulation durch die Kapitalisten oder Faschisten dienten, sondern auch zur Kulturrevolution der Sozialisten führen könnten. Dabei ist sich Enzensberger durchaus der möglichen Gefahren und der Argumentation der Mediengegner bewusst: Selbstverständlich könne es bei passiver Haltung der Konsumenten zu einer Sender-Empfänger-Diskrepanz kommen, bei der die Massen nicht reagierten. Die Einstellung der Neuen Linken, die Medien seien grundsätzlich Bedrohung und Manipulation, kritisiert Enzensberger allerdings als passiv-anklägerisch und für eigene Zwecke völlig unbrauchbar. Darüber hinaus täusche sie über die Tatsache hinweg, dass jede Gruppe, indem sie in die gesellschaftlichen Prozesse eingreife, gleichzeitig auch manipuliere. Enzensberger plädiert für ein Umdenken der Linken, weg von der Frage, ob, und hin zu der Frage, wer manipuliere. Er bezeichnet die Abneigung der Neuen Linken gegenüber den Medien als Berührungsangst und Widerspruch in einem. Widerspruch deswegen, weil man sich der Ästhetik der Medien auf der privaten Ebene, beispielsweise im Kino, selten entziehen könne, im politisch-öffentlichen Bereich jedoch die Beseitigung der Medien fordere. Stattdessen müsse sich auch die Linke die neuen Medien zunutze machen und das Potenzial erkennen, besonders zur Egalisierung und die Tatsache, dass durch die Medien gesellschaftliches Wissen nicht nur den Gebildeten vorbehalten und somit nicht länger klassenspezifisch sei. Im Gegenteil befänden sich die Medien schon im Besitz der Massen, würden aber nicht effizient, sondern nur amateurhaft genutzt. Hier bedürfe es einer Organisation und sozialistischen Strategie, um die Medien für eigene Interessen nutzen zu können. Während die Marxisten also nur die kapitalistische Seite sehen und den angeblichen Konsumterror attackieren, hofft Enzensberger auf die Medien als Mittel zur Aufklärung der Bevölkerung.

Kursbuch 21: Kapitalismus in der Bundesrepublik
  1. Marx, Karsunke, Wallraff: Fragebogen für Arbeiter 1880/1970
  2. Alfred Sohn-Rethel: Die soziale Rekonsolidierung des Kapitalismus (September 1932) - Ein Kommentar nach 38 Jahren
  3. Huffschmid, Joachim, Koenigs, Krueger, Mänicke, Vorberg: Die Widersprüche des westdeutschen Kapitalismus und die Wirtschaftspolitik der SPD
  4. Peter Schneider: Die Frauen bei Bosch
  5. Marianne Herzog: Akkordarbeiterinnen bei AEG/Telefunken
  6. Barbara Schilling und Karl Unger: Die Bundesrepublik und das südliche Afrika. Ökonomische und militärische Aspekte des westdeutschen Neokapitalismus
  7. Brigitte Heinrich: Die Bundesrepublik im System des Imperialismus
  8. Kursbogen: Kapitalverflechtung in der Bundesrepublik
Kursbuch 22: Nordamerikanische Zustände
  1. Dossier I: Täglicher Faschismus. Evidenz aus fünf Monaten
  2. USA: Organisationsfrage und revolutionäres Subjekt. Fragen an Herbert Marcuse
  3. Lee Lockwood: Gespräch mit Eldridge Cleaver
  4. Dossier II: Seize The Time. Sozialrevolutionäre Gruppen in den USA. Eine Dokumentation
  5. Gerhard Amendt: Schwarzer Kapitalismus. Dekolonisation und Klassenkampf
  6. Ernest Mandel: USA wohin? Eine politökonomische Prognose
  7. Martin Nicolaus und Ernest Mandel: Eine Kontroverse über die Zukunft der USA
  8. Vo Nhân Tri: Der Neokolonialismus der USA. Eine Übersicht
  9. Elinor Langer: Täglicher Kapitalismus. Die Frauen in der New Yorker Telefongesellschaft
  10. Kursbogen: Trashman (Kursbuch-Kommix)

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1971

Kursbuch 23: Übergänge zum Sozialismus
  1. Charles Bettelheim: Zur Analyse neuer Gesellschaftsformationen
  2. Dossier: Übergangsbestimmungen. Zitate aus 130 Jahren
  3. Evgenij Samojlovic Varga: Der russische Weg zum Sozialismus und seine Ergebnisse. Mit Kommentaren von Tamara Deutscher, Philip Neumann und Hans Magnus Enzensberger
  4. Günter Maschke: Entfremdung - Herrschaft - Produzentendemokratie. Bemerkungen zum Problem der Übergansperiode.
  5. Philip Neumann: Der "Sozialismus als eigenständige Gesellschaftsformation". Zur Kritik der politischen Ökonomie des Sozialismus und ihrer Anwendung in der DDR
  6. Jan Myrdal: Bericht aus einem chinesischen Dorf (1969)
  7. Heinz Rudolf Sonntag: Gespräch mit Darcy Ribeiro
  8. Kurszettel: Lebenszeichen aus Ungarn

Zu Der russische Weg zum Sozialismus und seine Ergebnisse:
Den Anmerkungen der Redaktion zufolge ist die Autorschaft dieses Artikels ungeklärt. Diese Frage sei allerdings nur sekundär, da die berichteten Erfahrungen und die Kenntnis über die marxistische Methode darauf schließen ließen, dass der Autor, wie in diesem Fall auch für Varga zutrifft, ein ‚Interner' des Systems gewesen sei. Der Text gibt einen knappen Abriss über die Geschichte des Sozialismus in der Sowjetunion und deckt die Widersprüchlichkeiten und die Vorbestimmtheit des Scheiterns schon in den Anfängen des Sozialismus auf. Nach Aussagen des Autors würden die Widersprüche beispielsweise schon mit den enormen Klassenunterschieden in den Revolutionen von 1917 beginnen, denn die Bauernrevolutionen unterschieden sich in wichtigen Punkten von den sozialistischen Revolutionen. Unter den Revolutionären gäbe es auch ‚Ausartungen', die Ultrarevolutionären. Diese Gruppe stamme ursprünglich aus der untersten sozialen Schicht und hege ganz besonderen Hass gegen Eigentümer und mutmaßliche Vertreter des Kapitalismus, sodass diese unerbittlich verfolgt und erschossen wurden. Obwohl Lenin an die sozialistische Idee geglaubt habe, hätten sich auch hier schon die ersten bürokratischen Tendenzen ausgebildet. So hätten sich beispielsweise Gewerkschaften nicht in die Lohnfestlegungen einmischen dürfen, außerdem habe es Zugeständnisse in Form von Prämien an die Bauern gegeben. Nach Lenin kam der Ultrarevolutionär Stalin an die Macht. Seine Regierung zeichnete sich durch Grausamkeit, Machthunger und Ausbeutung aus, die sich auch nach Stalins Tod fortsetzten. Die Zentralisierung des Apparates hätte hohe finanzielle Mittel erfordert, die nur durch die ‚Auspressung' des Proletariats erlangt werden konnten sowie durch Preis- und Lohnregulierungen, die schließlich zur Verarmung des Proletariats geführt hätten. Die Situation in den 70er Jahren habe sich nicht maßgeblich geändert: Die ganze Macht befinde sich weiterhin in den Händen des Überbaus, es gebe weder Demokratie, noch Gleichheit noch Moral. Die Politik sei geheim, Entscheidungen und Debatten gefälscht und das System in dieser Form bleibe weiterhin eine "Karikatur des Sozialismus".
Dieser Darstellung des Sozialismus folgt Enzensbergers Kommentar Dialektik einer Sackgasse, in dem er den Widerstand der Linken gegenüber den Oppositionellen der sozialistisch regierten Länder kritisiert. Die Gegner dieser Oppositionen behaupteten, der Zerfall des Systems und die Opposition selbst seien erst nach Stalin aufgetreten. Erst nach dieser Ära seien wieder kapitalistische Ansätze zugegen. Vorher aber habe der Sozialismus in seiner Reinform existiert. Enzensberger zufolge ist das Problem aber darin begründet, dass es diesen hochgelobten Sozialismus, wie der Aufsatz von Vargo zeigt, auch vorher nicht gegeben habe. Die Opposition sei natürlich für Demokratie, gegen Bespitzelung und gegen Repressionen, allerdings wären diese Forderungen auch vorher nicht eingehalten worden. Die Opposition sei also aus der Geschichte heraus entstanden und kämpfe gegen das, ebenfalls aus der Geschichte heraus entstandene, Regime der 70er Jahre. Enzensberger hält fest, dass der Revisionismus an sich schon auf einer Lüge beruhe, Erfolge der Opposition seien aber in naher Zukunft nicht zu erwarten.

Kursbuch 24: Schule, Schulung, Unterricht
  1. Ivan Illich: Plädoyer für die Abschaffung der Schule
  2. Manuela du Bois-Reymond: Zur Strategie kompensatorischer Erziehung am Beispiel der USA
  3. Konrad Ehlich, Josef Hohhäuser, Frank Müller, Dietmar Wiehle: Spätkapitalismus - Soziolinguistik - Kompensatorische Spracherziehung
  4. Peter Schneider: Bericht über eine Berliner Volksschule
  5. Klaus-Dieter Mende und Helga Thomas: Die Schulsysteme der DDR und der Bundesrepublik
  6. Erika Runge: Schüler, Lehrer, Schulen. Tonbänder aus dem Bezirk Rostock
  7. Klaus-Jürgen Bruder: Taylorisierung des Unterrichts. Zur Kritik der Instruktionspsychologie
  8. Helmut Lethen und Peter Schneider: Ratschlag zweier Deutschlehrer an ihre zurückbleibenden Schüler
  9. Jürgen Zimmer, Hermann Rademacker: Modellschule Solingen
  10. Joachim Schickel: China 1970: Die Selbsterziehung der Massen oder Die Pädagogik revolutionieren
  11. Kursbogen: Lo-po, die Rote Rübe
Kursbuch 25: Politisierung: Kritik und Selbstkritik
  1. Karl Markus Michel: Wer wann warum politisch wird - und wozu. Ein Beispiel für die Unwissenheit der Wissenschaft
  2. Dossier: Was Arbeiter sagen. Zwei Protokolle mit Facharbeitern aus einer Studenteninitiativgruppe. Aufgezeichnet von Helga Reidemeister
  3. Alfons Scharf: Antworten eines lesenden Arbeiters - auf Fragen von Yaak Karsunke
  4. Michael Schneider: Gegen den linken Dogmatismus, eine "Alterskrankheit" des Kommunismus
  5. Monika Steffen/ Klaus Funken: Die einfache Kaderproduktion. Thesen zur Studentenbewegung als kleinbürgerlicher Massenbewegung
  6. Peter Brückner: Debray und andere: Drei Versuche über die Ratlosigkeit
  7. Kursbogen: Der breite und der schmale Weg
Kursbuch 26: Die Klassenkämpfe in Italien
  1. Peter Schneider: Können wir aus den italienischen Klassenkämpfen lernen?
  2. Camillo Daneo: Die Entwicklung der ökonomischen Widersprüche im Nachkriegs-Italien
  3. Dossier I: Abriss der politischen Geschichte Italiens seit 1945
  4. Lucio Magri/ Filippo Maone: Die Kommunistische Partei Italiens - Aufbau und Führungsmethoden
  5. Francesco Ciafaloni: Die Gewerkschaften und der Kampf der Arbeiter in Turin
  6. Dossier II: Chronologie der Kämpfe in Italien (1967-1970)
  7. Dossier III: Die Häuserbesetzung in der Via Tiabaldi (Mailand)
  8. Peter Schneider: Die Massen, die Gewerkschaften und die politischen Avantgarden
  9. Massimo Serafini: Die Einheit der revolutionären Linken herstellen
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1972

Kursbuch 27: Planen Bauen Wohnen
  1. "Schöner Wohnen". Protokoll aus dem Märkischen Viertel Berlin. Aufgezeichnet von Helga Reidemeister
  2. Bernd Jansen: Wohnungspolitik. Leitfaden durch ein kalkuliertes Chaos
  3. Rainer Neef: Die Bedeutung des Grundbesitzes in den Städten
  4.      - Anhang: Wie können Mieter die Profite ihrer Haus- und Grundbesitzer berechnen?
  5. Helga Fassbinder: Bürgerinitiativen und Planungsbeteiligung im Kontext kapitalistischer Regionalpolitik
  6. Til Schulz: Zum Beispiel Eppsteinerstraße 47. Wohnungskampf, Hausbesetzung, Wohnkollektiv
  7. Projektgruppe Branchenanalyse TU Berlin: Industrialisierung des Bauens unter den Bedingungen des westdeutschen Kapitalismus
  8. Andreas Reidemeister: Zur Entwicklung der Produktivkräfte und der Produktionsverhältnisse im Bauwesen der DDR
  9. Peter Kammerer: Ausbeutung im italienischen Wohnungsbau
  10. Heini Bachmann, Rut Föhn, Hartmut Frank: Kapitalistischer Wohnungsbau: Zum Beispiel Volketswil
  11. Kursbogen: Das Große Hoffmans-Comic-Gesellschafts-Spiel "Wem gehört die Stadt?"
Kursbuch 28: Das Elend mit der Psyche / I Psychiatrie
  1. Renate Wolff / Klaus Hartung:
    1. Psychische Verelendung und die Politik der Psychiatrie
    2. Der "Wahn" und der "Fall"
    3. Psychiatrisches Elend in der BRD in Zahlen
    4. Psychiatrie und Staatsapparat
    5. Schizophrenie
    6. Totale Institution und Klassencharakter der Psychiatrie
    7. Der Reformismus
    8. Therapie als gesellschaftliche Praxis
    9. Anhang: Psychiatrie in der UdSSR und der VR China
  2. Dossier: Patientenselbstorganisation und Staatsapparat
    1. Jürgen Roth: Psychiatrie und Praxis des sozialistischen Patientenkollektivs
    2. IZRU: Zum Problem Widerstände, die sich der praktischen Kritik entgegenstellen, wenn die Widersprüche des Systems Krankheit/ Kapitalismus/ Knast durch die Patientenselbstorganisation entfaltet werden
    3. Aus der Anklageschrift gegen das Sozialistische Patientenkollektiv
  3. Autobiographie eines Entkommens (aus dem Italienischen von Hans Magnus Enzensberger)
  4. Erving Goffman: Insassen
  5. Kursbogen: Ein Rückblick auf den Fortschritt

Zu Autobiographie eines Entkommenen (unter dem Titel Der Entkommene von Turin wieder abgedruckt in: Der Weg ins Freie. Fünf Lebensläufe. Überliefert von H.M.E. 1975.)
In dieser von Enzensberger aus dem Italienischen übersetzten Biographie erzählt ein ehemaliger Patient einer Heilanstalt seine Lebensgeschichte. Dabei geht der eigentlichen Erzählung eine Anmerkung der Herausgeber voraus, in der sie ihre Bewunderung für das Durchhaltevermögen dieses ehemaligen 'Insassen' ausdrücken und die Schuldigen für diese Lebensgeschichte eindeutig in Lehrern, Fürsorgern, Pflegeeltern und Ärzten sehen. In seiner Autobiographie berichtet der von einer Pflegefamilie aufgenommene Italiener, wie Lehrer und Ärzte ihn mit acht Jahren für so geisteskrank gehalten hätten, dass er noch nicht einmal in die Sonderschule, sondern direkt an eine Heilanstalt verwiesen worden sei. Von allen, besonders aber von seiner Pflegemutter im Stich gelassen, musste er die Heilanstalt über sich ergehen lassen, in der er gewalttätig geworden sei und sich an anderen Jungen vergriffen häbe. Prügel, das Festschnallen am Bett und Elektroschocks seien dabei seine ständigen Begleiter gewesen. Mit 17 sei er in ein anderes Heim gebracht worden, wo er wieder viele Jahre verbracht hätte bis schließlich zu seiner Entlassung in die Freiheit.

Kursbuch 29: Das Elend mit der Psyche / II Psychoanalyse
  1. Erich Wulff: Psychoanalyse als Herrschaftswissenschaft?
  2. Dossier: Auf der Couch (und dahinter)
  3. Horst Przytulla: Über die Benutzung einer bürgerlichen Wissenschaft
  4. Harald Wieser / Jochen Beyer: Psychoanalyse, Kapitalmystifikation und Ideologie
  5. Reimut Reiche: Ist der Ödipuskomplex universell?
  6. aul Parin: Der Ausgang des ödipalen Konflikts in drei verschiedenen Kulturen. Eine Anwendung der Psychoanalyse als Sozialwissenschaft
  7. Kursbogen: Politischer Profiltest (PPT)
Kursbuch 30: Der Sozialismus als Staatsmacht: Ein Dilemma und fünf Berichte
  1. Rossana Rossanda: Die sozialistischen Länder: Ein Dilemma der westeuropäischen Linken
  2. Bernd Rabehl: Eine Reise in die DDR. Gespräche und Notizen
  3. Sibylle Plogstedt: Am Beispiel der CSSR
  4. Horst Kurnitzky: Chollima Korea: Ein Besuch im Jahre 23
  5. D.D. Wolff: Korea und Korea
  6. Günter Maschke: Cubanischer Taschenkalender
  7. Dossier: Revolutions-Tourismus (zusammengestellt und kommentiert von Hans Magnus Enzensberger)
  8. Kursbogen: Die Pyramide der Unterdrückung

Zu Revolutions-Tourismus (wieder abgedruckt in: H.M.E.: Palaver. Politische Überlegungen 1967-1973. 1974, S. 130-168.)
Dieser Artikel enthält Reise- und Erfahrungsberichte aus den sozialistisch regierten Länder der 60er und 70er Jahren. Ähnlich wie Rossandas Aufsatz (ebenfalls in diesem Kursbuch) kritisiert auch Enzensberger das ideologisch-abstrakte Verhältnis der europäischen Linken zu den sozialistisch regierten Ländern. Diese Abstraktheit ergebe sich vor allem durch die externe Betrachterrolle der Linken, wodurch Urteile, sowohl positive als auch negative, nicht objektiv sein könnten. So wird vor allem Kritik an den Reisenden der 60er deutlich, wenn sie beispielsweise nach einem zweiwöchigen Aufenthalt auf Cuba die Situation und das Versagen des Systems abschätzen. Enzensberger betont jedoch, dass diese frühen Reiseberichte, wenn auch nicht inhaltlich relevant, dennoch die Isolation der Länder durch Blockade oder Mauerbau zeigten. Es bestehe keine Kommunikation, stattdessen viel Unwissenheit und Mystifikation. Aufklärung gäbe es nur durch diese wenigen fehlerhaften 'Augenzeugenberichte'. Diese Situation habe sich in den 70er Jahren geändert: Es bestehe ein Mangel an Neugier, die Linke reise aus Angst vor Enttäuschung eben gar nicht mehr in diese Länder. Die eigene Revolution im Westen sei gescheitert, daher halte man an der Sowjetunion als Vorbild des vollkommenen Kommunismus fest. Gerade dieses Idealbild werde, so Enzensberger, vor allem auch von institutioneller Seite durch das Delegacija-System der sozialistischen Länder unterstützt. Die Regierung lade Gäste ein, verwöhne diese und gebe ihnen Führer an die Hand, die in festgelegten Programmen den Gästen nur die besten Seiten des Landes zeige. Auch hier werden wieder einige Berichte anderer Autoren zitiert, die die Blindheit der Besucher und das unkritische Wohlwollen anprangern. Während es also auf der einen Seite viele Verteidiger dieser Zustände gebe, die in ihren Reiseberichten die wirklichen Arbeitsbedingungen, beispielsweise die Ausbeutung in China, schlicht ignorierten, kommen aber auch kritische Stimmen auf. So lehnten unter anderem André Gide, Susan Sontag oder Jan Myrdal ihre bevorzugte Behandlung und die Vorrechte als Gäste ab (z.T. wird dies auch als Bestechungsversuch der Schriftsteller ausgelegt), schließlich sei dies nicht im Sinne des kommunistischen Gleichheitsgedankens. Dennoch könne sich an diesen Umständen nichts ändern, solange es keinen freien Zugang für alle und freie Bewegung für alle ohne Beeinflussung durch das Delegacija-System gebe. Erst durch die Abschaffung des Systems könne dem Realitätsverlust und der Bestechlichkeit der Reisenden vorgebeugt werden. Da diese objektiven Bedingungen aber zum Teil schon erreicht seien, verurteilt Enzensberger vor allem die europäische Linke, die die Konfrontation mit der Realität meide.

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1973

Kursbuch 31: Staatsgewalt und Reformismus
Umschlag

  1. Manfred Clemenz: Staatsfaschistische Tendenzen im Spätkapitalismus
  2. Rote Hilfe West-Berlin: Staatsgewalt, Reformismus und die Politik der Linken
    1. Einleitung: Staatsapparat gleich Repressionsapparat?
    2. Bürgerinitiativen
    3. Juso-Ideologie
    4. Reformverwaltung
    5. Drei Beispiele: Strafvollzug / Polizei-Reform / Bildungs-Reformpolitik
    6. Schluss: Probleme der Politik der Linken
  3. Nicos Poulantzas: Klassenkampf und Repression - Einige Hauptzüge des kapitalistischen Staates
  4. Brigitte Heinrich: Intervention und Integration. Zum Verhältnis von Staat und Ökonomie
  5. Heinz Rudolf Sonntag: Der Staat des unterentwickelten Kapitalismus
Kursbuch 32: Folter in der BRD. Zur Situation der Politischen Gefangenen
Umschlag

  1. Dokumentation zur Lage der Politischen Gefangenen. Zusammengestellt von Verteidigern in politischen Strafsachen
    1. Einleitung: Folter durch Isolation bei Politischen Gefangenen
    2. Grundlegende Beschlüsse zur Isolierung
    3. Besondere Schikanen
    4. Politische Zensur
    5. Beugehaft
    6. Behinderung der Verteidigung
    7. Besondere Ermittlungsmethoden
    8. Der Einsatz von Ärzten und Psychiatern
    9. Hausstrafen
    10. Beiläufer
  2. Sjef Teuns: Isolation / Sensorische Deprivation: die programmierte Folter
  3. Jürgen Seifert: Plädoyer gegen die Ächtung des politischen Gegners
  4. Christian Sigrist: Imperialismus: Provokation und Repression
  5. Dossier: Berichte und Erklärungen von Gefangenen
  6. Anhang: Resolutionen
  7. Kursbogen: Kulturdenkmäler des Imperialismus
Kursbuch 33: Ökologie und Politik oder Die Zukunft der Industrialisierung
  1. Hans Magnus Enzensberger: Zur Kritik der politischen Ökologie
  2. Kleines methodisches Glossar (u.a. zusammengestellt von Enzensberger)
  3. Die technokratische Ökologie
    1. S.R. Eyre: Man and the Pest: Eine Frage des Überlebens
    2. Paul R. und Anne H. Ehrlich: Bevölkerungskontrolle - Kontrolle der Bevölkerung
  4. Steve Wissman: Die Bevölkerungsbombe ist ein Rockefeller-Baby
  5. Schwarzes Kollektiv: Ökologie und Macht
  6. Martin Gellen: Der öko-industrielle Komplex in den USA
  7. Ökologie und Revolution. Eine Debatte
  8. Heidelberger Kollektiv: Profitschmutz und Umweltschutz in der Bundesrepublik
  9. Ui Jun: Der japanische Kapitalismus als Vorhut der ökologischen Katastrophe
  10. Elisabet und Tor Inge Romøren: Marx und die Ökologie (aus dem Norwegischen von Andreas Thalmayr)
  11. Kursbogen: Kurzer Lehrgang zur Geschichte der Umwelt

Zu Zur Kritik der politischen Ökologie (wieder abgedruckt in: H.M.E.: Palaver. Politische Überlegungen 1967-1973. 1974, S. 169-232.)
Enzensberger greift in seinem Essay die These über die Zerstörung der Umwelt durch die Industrienationen auf, kritisiert jedoch aufs Schärfste sowohl die politisch-wirtschaftlichen Gruppierungen zur Bekämpfung der ökologischen Krise als auch die ideologisch-populären Lösungsversuche. Enzensberger bezieht sich in seiner Analyse auf die Hauptthese der Ökologen, die Zerstörung der Umwelt werde durch das Bevölkerungswachstum, die Produktionssteigerung, die Ausbeutung der Rohstoff- und Energiequellen und durch die Umweltverschmutzung hervorgerufen. Nach Aussage des Autors sei aber gerade diese These sehr vage, da sie nicht solche Fragen beantworte wie: Wann kommt es zur Krise, welcher Faktor war ausschlaggebend, was passiert wirklich, und ist der Schaden überhaupt reversibel? Neben diesem grundsätzlichen Problem wirft Enzensberger den Unternehmerzusammenschlüssen zur Verminderung der Umweltbelastung und dem Staat rein wirtschaftliches Interesse vor: Verschlechterten sich die Bedingungen für Arbeitgeber, resultiere dies in ökonomischen Ausfällen; außerdem gebe es hohe staatliche Subventionen für solche Unternehmen, die umweltschonende Technologien anwendeten. Eine andere Gruppierung, die lediglich ihre gegenwärtigen Bedürfnisse verteidige und der übrig gebliebenen 60er-Jahre-Fraktion der unteren Mittelschicht entspringe, sei oftmals geprägt von Idealismus, Zivilisationsfeindschaft und Eskapismus und habe kaum erheblichen Einfluss. Aber auch die verschiedenen Lösungsvorschläge bewertet der Autor entweder als rassistisch oder irrsinnig und nicht umsetzbar. So enttarnt er den Vorschlag der USA zur Geburtenkontrolle der 3. Welt als Versuch der eigenen Machterhaltung und wissenschaftliche Empfehlungen, wie radikale Bevölkerungskontrolle aller Nationen, Zurückentwicklung des Rohstoffverbrauchs in den USA, allgemeine Friedenspolitik und weltweite Rohstoff- und Lebensmittelrationierung, als schlichtweg lächerlich. Allerdings bleibt es nicht bei passiver Ideologiekritik, sondern Enzensberger vertritt die These, dass Kapitalismus unweigerlich zu Reichtum und Mangel gleichzeitig führe. In diesem Fall handele es sich um den Mangel an Lebensgrundlage für den Menschen, hervorgerufen durch die Industrialisierung. Dieser Mangel könne nicht unter kapitalistischer Produktion beseitigt werden, die lediglich Tauschwerte statt Gebrauchswerte erzeuge. Auch der Versuch, unter diesen Bedingungen umweltschonend zu produzieren, würde lediglich zu einem unermesslichen Preisanstieg führen, der wiederum Klassenunterschiede deutlich hervorbrächte. Es sei die beste Lösung, eine Umstrukturierung des Produktionsprozesses vorzunehmen. Da dieses Unterfangen aber lange Zeit in Anspruch nehme, zieht der Autor auch eine Massenpanik, die zum Krieg um Rohstoffe führen könnte, in Betracht.

Zu Kleines methodisches Glossar:
Mit Bezug auf das Thema des Kursbuches "Ökologie und Politik" erklärt dieses kleine Glossar die wichtigsten Begriffe wie beispielsweise exponentielles Wachstum, Rückwandlung, unwiederbringliche Ressourcen oder Thermodynamische Schranke. Diese Erklärungen und Hintergrundinformationen dienen vor allem dem besseren Verständnis der Diskussionen zum Thema.

Kursbuch 34: Kinder
  1. Shulamith Firestone: Nieder mit der Kindheit!
  2. Hoffmann's Comic Teater: Kinderkultur
  3. Donata Elschenbroich: Spielen und Spielzeug. Aspekte zur Kritik bürgerlicher Theorien des kindlichen Spiels
  4. Beate Scheunemann: Kind und Buch
  5. Elisabeth Scherf: Aus dem Stegreif. Soziodramatische Spiele mit Arbeiterkindern
  6. Manuela du Bois-Reymond / Burkhardt Söll: Über die Bedeutung der Schule im Leben der Arbeiterkinder
  7. Harald Wieser: Arbeiterkinder und Solidarität. Zur widersprüchlichen Bewusstseinsentwicklung des proletarischen Kindes in der Familie
  8. Kursbogen: Hoffmann's Comic Teater: Berliner Kindheit um 1973
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1974

Kursbuch 35: Verkehrsformen / 1 Frauen Männer Linke / Über die Schwierigkeiten der Emanzipation
  1. Rudolf zur Lippe: Objektiver Faktor Subjektivität
  2. Von der Veränderung des Menschen durch den Kampf. Gespräche mit LIP-Arbeitern
  3. Simone de Beauvoir / Jean-Paul Sartre: Über unsere Beziehung
  4. Simone de Beauvoir: Über den Kampf für die Befreiung der Frau
  5. Anna, Laura, Louise, Mary, Wera: Die Sache der Frauen
  6. Peter Schneider: Die Sache mit der "Männlichkeit". Gibt es eine Emanzipation der Männer?
  7. Til Schulz: "Der Kampf als inneres Erlebnis". Abenteuer des falschen Bewusstseins
  8. Wolfgang Pohrt / Michael Schwarz: Wegwerfbeziehungen. Versuch über die Zerstörung der Gebrauchswerte
  9. Exkurse:
    1. Hans Magnus Enzensberger: Auf dem Weg zur Schwarzen Marktwirtschaft
    2. Augusto Olivares: Ein letzter Brief aus der Moneda
    3. Elvio Fachinelli: Wo ist Lin Piao geblieben
  10. Kursbogen: Linksverkehr

Zu Auf dem Weg zur Schwarzen Marktwirtschaft:
Gemäß der Anmerkung der Redaktion bieten die Exkurse die Möglichkeit, vom jeweiligen Thema des Kursbuches abzuweichen, um kurz auf beispielsweise hochaktuelle und brisante Themen einzugehen. Enzensberger bezieht mit seinem kurzen Aufsatz eindeutig Stellung zur Ölkrise der frühen 70er Jahre. Der Autor weist darauf hin, dass es in der jüngeren Geschichte der kapitalistischen Marktwirtschaft immer Mangel und Überfluss gegeben habe. Als Beispiele führt er die Klopapierknappheit des von Geräten überfüllten Japan an oder aber auch den Wohnungsmangel im Deutschland der 50er Jahre bei gleichzeitigem Boom und Konsumgüterüberfluss. Enzensberger argumentiert, dass das System diesen Widerspruch durchaus lösen könne, aber gar nicht wolle, da sich durch das Auf und Ab der Wirtschaft einige "Starke" herausbilden würden, die ihre Monopolstellung ausnützen könnten. Durch diese Monopolstellung könnten Preise unabhängig von Angebot und Nachfrage festgesetzt und Schwarzmarktpraktiken im großen Stil durchgeführt werden: Der Mangel werde absichtlich provoziert, sodass die Preise in die Höhe schnellten. Das Resultat seien Stagflation, Arbeitslosigkeit und Währungskrisen, etwas, was laut Enzensberger den Kapitalismus selbst zerstöre. Aber gerade diese Tatsache sei auch den Kapitalisten bekannt und werde schamlos ausgenutzt. Dies spiegele sich in der Ölkrise, nach der Meinung des Autors der "größte Bluff der neueren Wirtschaftsgeschichte", wider. In den 70er Jahren handele es sich um einen künstlich heraufbeschworenen Mangel, der eigentlich noch in der Zukunft liege. Die Preise würden hochgetrieben, die Konsumenten ausgebeutet und danach herrsche wieder für einige Zeit Ruhe. Das Fazit des Autors: Dieser Kreislauf funktioniere solange, bis schließlich das böse Erwachen komme.

Kursbuch 36: Geld
  1. Drei Ansichten vom Geld (Moses Heß, Tuiavii, André Amar)
  2. Klaus Busch / Frank Seelow: Leitfaden zur politischen Ökonomie des Geldes
  3. Paul Mattick: Die "Zerstörung" des Geldes
  4. Jochen Reiche: Permanente Inflation
  5. Aike Blechschmidt / Gerhard Hoffmann/ Reinhard von der Marwitz: Das inflatorische Zusammenwirken von Kapitalkonzentration, Weltmarkt und Staatsintervention
  6. Ulrich Jürgens / Gudrun Lindner: Zur Funktion und Macht der Banken
  7. Die Linke und das Geld. Ein Mosaik
  8. Exkurse:
    1. Giorgio Pellizzi: Man trägt wieder alte Hüte
    2. Andrew Kopkind: Neue amerikanische Mystik: Eine Massenflucht aus der Politik?
    3. F.C. Delius: Ein Traum von Mozambique
Kursbuch 37: Verkehrsformen / 2 Emanzipation in der Gruppe und die "Kosten" der Solidarität
  1. Lothar Binger: Kritisches Plädoyer für die Gruppe
  2. Lissi Steffen: Meine Schwierigkeiten mit Genossen. Auszüge aus dem Tagebuch 1972/73
  3. "Warum ist Solidarität so schwierig?". Protokoll eines Gesprächs mit drei Arbeitern von Helga Reidemeister
  4. Anja Jovic: Ich war getrennt von mir selbst…
  5. Ahrens / Bruns / v. Hedenström / Hoffmann / v.d. Marwitz: Die Homosexualität in uns
  6. Red Collective: Jenseits der Familie. Bericht über eine Dreierbeziehung - ein sexualpolitisches Experiment
  7. Franziska Graf: Lernziel Wohnen. Bericht über eine Wohngemeinschaft
  8. Klaus Laermann: Kneipengerede. Zu einigen Verkehrsformen der Berliner "linken" Subkultur
  9. Exkurse:
    1. Matthis Dienstag: Trauer um Nixon
    2. Vittoria Alliata: Texanische Monadologie
  10. Kursbogen
Kursbuch 38: Lohnarbeit
  1. Thomas Leithäuser: Erfahrungen eines chilenischen Arbeiters in der Bundesrepublik
  2. Stück für Stück. Gespräche mit deutschen Arbeitern.
  3. Herman Mühleisen: Am Band. Tagebuchaufzeichnungen eines Vertrauensmanns
  4. Otto Jacobi: Gewerkschaftliche Tarifpolitik in der Bundesrepublik
  5. Sophie G. Alf: "Neuer Syndikalismus". Die Tarifkämpfe der italienischen Metallarbeiter 1972/73
  6. Renate Damus: Ist die Arbeit im Sozialismus Lohnarbeit? Zum Charakter der Arbeit in den nachkapitalistischen Gesellschaften Osteuropas
  7. Miklós Haraszti: Stücklohn
  8. Aus dem Tagebuch eines polnischen Bergmannes
  9. Fragen an eine Brigade
  10. Michael Scharang: Bericht an das Lohnkomitee
  11. Rainer Traub: Exkurs über Gleichmacherei
  12. Renate Scherer: China: Die Lohnfrage im Kampf zweier Linien
  13. Kursbogen: Ironostalgutopie
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1975

Kursbuch 39: Provinz
  1. Ernst Bloch: Gespräch über Ungleichzeitigkeit
  2. Peter O. Chotjewitz: Neuland - Leben in der Provinz
  3. Burkhard Driest: Halbstark in Peine
  4. Nils Thomas Lindquist: Der Nachbar und das Allgemeine. Kommunikation in einer Kleinstadt
  5. Lehrlinge in der Provinz
  6. D. Bellmann / W. Hein / W. Trapp / G. Zang: "Provinz" als politisches Problem
  7. Walter Mossmann: "Die Bevölkerung ist hellwach!". Erfahrungen aus dem Kampf der badisch-elsässischen Bevölkerung gegen ein Atomkraftwerk in Wyhl und ein Bleichemiewerk in Marckolsheim
  8. Michael Buckmiller/ Josef Fenzl: "Auf´m Land is nix los…". Ein Gespräch über die Dialektik von Spontaneität und Organisation in der Provinz am Beispiel Wasserburg
  9. Exkurse:
    1. Lienhard Wawrzyn: Wortmeldung
    2. Eure Sorgen und unsere Sorgen
  10. Kursbogen: Die freiheitlich demographische Grundordnung der BRD
Kursbuch 40: Beruf: Langer oder kurzer Marsch?
Umschlag

  1. Wolfgang Trakl/ Matthis Dienstag: Berufsperspektiven? Rede und Gegenrede
  2. Rosemarie Kamp/ Julie Merten: Grund-Schulung
  3. Anna Berger: Sozialklempner oder Anwalt der Betroffenen? Bericht aus der Sozialarbeits-Praxis: Familienfürsorge und Gemeinwesenarbeit
  4. Ärztliche Praxis und politische Arbeit im Krankenhaus. Erfahrungen einer Gruppe Berliner Krankenhausärzte
  5. Uwe Wesel: Vom Wirken des Juristen auf die Gesellschaft
  6. Klaus Eschen: Vor den Schranken. Erfahrungen eines linken Anwalts
  7. Robert Bosshard: Wem Gott ein Amt gab… Oder die pfiffige Intelligenz des Amateurs
  8. Hans Magnus Enzensberger: Karrieren
  9. Maria-Antonietta Macciocchi: Besuch im Elfenbeinturm
  10. Klaus Stiller: Traumberufe
  11. Wolf-Dieter Narr: Anhörung. Zur Frage, ob ich auf dem Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung stehe. Ein Psychogramm und verallgemeinernde Folgerungen
  12. Exkurse: Karl Markus Michel: Untertänige Bitte um Wiedereinführung der Zensur
  13. Eine Mitteilung. (Von Hans Magnus Enzensberger)

Zu Karrieren (ohne den Obertitel wieder abgedruckt in: Mausoleum. Siebenunddreißig Balladen aus der Geschichte des Fortschritts.1975.)
In diesen kurzen Gedichten greift Enzensberger die Biographien von vier Personen des 19. und 20. Jahrhunderts auf und verweist deutlich auf die negativen Aspekte und Konsequenzen dieser ‚Karrieremänner'. So berichtet Enzensberger beispielsweise über die radikale Modernisierung von Paris durch G.E.H. (Georges Haussmann, frz. Politiker des 19. Jahrhunderts), die aber auch Zerstörung der Geschichte mit sich brachte: Kitsch und Schick boomen, Hauptsache "alles Neo". Außerdem porträtiert er den Wissenschaftler J.E.M (Jules Etienne Maray), der als "Götzendiener" die Natur aushöhlt, sowie den strebsamen Ingenieur F.W.T. (Frederick Taylor), der pedantisch-korrekt ist und durch Akkordarbeit und Ausbeutung maximale Effizienz erzielt. Den Höhepunkt dieser vier Darstellungen bildet allerdings der Arzt U.C. (Ugo Cerletti), der Tier- und Menschenversuche zur Elektroschocktherapie durchführt.

Zu Eine Mitteilung:
In Enzensbergers Mitteilung verabschiedet sich der Autor nach zehnjähriger Mitarbeit von der aktiven Herausgeberschaft des Kursbuches. Er begründet sein Aufhören unter anderem damit, dass eine Zeitschrift, die verändern wolle, sich vor allem selbst verändern müsse und er "entbehrlich" geworden sei.

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Magdalena Müller und
Monique Sontag
2006