Andreas Gryphius: Gedichte

Andreas Gryphius: Gedichte. Ausgewählt von Hans Magnus Enzensberger. Frankfurt am Main: Insel-Verlag 1962. (Insel Bücherei, Nr 703.)

Titelblatt
Es ist ein kleiner, unauffälliger Band mit lediglich 71 Seiten, in dem Hans Magnus Enzensberger 1962 vierundvierzig ausgewählte Gedichte des barocken Dichters Andreas Gryphius (1616-1664) im Insel-Verlag herausgegeben hat. Die Überschriften der Gedichte sind in Frakturschrift gedruckt, die Gedichte selbst stehen jedoch in lateinischer Schrift, was das Lesen erleichtert. Seite 68 und 69 liefern Anmerkungen zu in den Gedichten vorkommenden Begriffen. Auf den Seiten 70 und 71 findet man ein Inhaltverzeichnis, in dem sowohl die Überschriften als auch die Anfänge der Gedichte aufgenommen sind.

Enzensberger äußert sich selbst in einem knapp fünfseitigen Nachwort am Ende des Buches zu seiner Herausgeberintention. Hauptanliegen dieser Veröffentlichung sei es, den Schriftsteller Gryphius wieder ins Gedächtnis der Menschen zurückzurufen. Enzensberger beanstandet eine viel zu geringe Beachtung dieses Dichters, er sei weitgehend vergessen. Deshalb liefert er die wichtigsten Lebensdaten und Schaffensperioden von Gryphius in einem sehr positiven Gesamtbild. Im Folgenden legt Enzensberger die Vielfalt der Schriften dar, die Gryphius im Laufe der Zeit verfasst hat, und geht besonders auf jene Merkmale ein, die allen Texten eignen: das menschliche Elend, die Klage über die Vergänglichkeit und die daraus entspringende Eitelkeit. Enzensberger spricht neben der Poesie, die er als Gryphius größte Stärke bezeichnet, auch seine Dramen, Übersetzungen und Romane an. Mit den radikalen Ansätzen Gryphius begründet Enzensberger die geringe Anerkennung, die dieser bekam - sie ließen ihn zu rau und zu stark wirken. Allerdings hebt Enzensberger hervor, dass Gryphius sich dadurch eben nicht hat abschrecken lassen, sondern vielmehr Kampfgeist entwickelt hat, sich gegen die Resignation und Verzweiflung zu wehren und sich mit dem Ungeraden und Widerständigen auseinander zu setzen wusste. Enzensberger scheint Gryphius für diese Kraft zu bewundern, wenn er die Gedichte als einzigartige Mischung aus "Schrei und Statue, Marmor und Lava" bezeichnet .

Die Auswahl der Gedichte hat Enzensberger in Anlehnung an Herrmann Palm getroffen, der 1884 im Stuttgarter Litterarischen Verein eine Ausgabe herausgebracht hat. Ergänzend zu diesem Werk hat Enzensberger jedoch Korrekturen von Viktor Manheimer aus des Auswahl Die Lyrik des Andreas Gryphius (Berlin, 1904) berücksichtigt. Alle Texte sind ungekürzt.

Julia Schocke
2006

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