Gedichte 1955–1970

Hans Magnus Enzensberger: Gedichte 1955–1970. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1971, (Suhrkamp Taschenbuch 396).

Umschlag

Der Band Gedichte 1955–1970 umfasst 175 Seiten und erschien 1971 im Suhrkamp Verlag. Neben Gedichten aus den bereits zuvor erschienenen Bänden verteidigung der wölfe (1957), landessprache (1960) und blindenschrift (1964), die im ersten, zweiten und dritten Kapitel zu finden sind, fügte Enzensberger in den Kapiteln vier und fünf etwa 30 neue Gedichte hinzu, die er zwischen 1965 und 1970 verfasste. Diese erschienen nun in Gedichte 1955–1970 größtenteils zum ersten Mal. Auch enthält das Buch einen ausführlichen Lebenslauf Enzensbergers, der das Wirken des Autors bis zur Gründung des Kursbuchverlages 1970 in Berlin umfasst. Nennenswert ist, dass der Band zusätzliche Ergänzungen und Erläuterungen zu einzelnen Gedichten enthält. So erklärt Enzensberger beispielsweise beim Gedicht Vorschlag zur Strafrechtsreform die Herkunft der montierten Textpassagen.

Der Umschlag des Buches zeigt auf der vorderen Seite den Titel in gelben Buchstaben auf rotem Untergrund, außerdem in verschnörkelter Schrift mit ebenso verschnörkeltem Rahmen den Satz „Wer Weiß Obs Waar ist“. Auf der Rückseite des Umschlags findet man einen Auszug aus Sommergedicht (S.105–118), das im Buch das Kapitel der neuen Gedichte einleitet.

Mit dem Überblick, den Enzensberger durch dieses Buch über seine Gedichte verschafft, unterstreicht er sein politisches und poetisches Denken, das bereits in den ersten drei Gedichtbänden deutlich geworden war. Er bedient sich dazu Darstellungsweisen, die von durch Metaphern geprägtem Protest bis hin zur sachlichen und distanzierten Benennung reichen. Somit bleibt Enzensberger bei seinem gewohnten Stil, entgegen der allgemeinen Stimmung, die zu der Erscheinungszeit des Buches herrschte. Der Suhrkamp Verlag erklärte in einem Werbetext den Lesern „Es darf wieder erzählt werden“ und bezog sich dabei auf die aufkommende Tendenz zur unterhaltenden, harmonischen Lyrik, praktiziert und gefordert von Menschen, die nicht mehr in der Stimmung waren, sich mit Krieg und Elend zu beschäftigen. Enzensberger jedoch beugte sich nicht den Erwartungen der Mehrheit und schrieb weiterhin kritische und nachdenklich stimmende Gedichte. Gedichte 1955–1970 soll laut Enzensberger außerdem zur „politischen Alphabetisierung“ beitragen. Dem Leser soll gezeigt werden, dass politische Kritik nicht nur in Essays oder szenischen Dokumentationen, sondern auch in Gedichten ausgedrückt werden kann.



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