Gedichte. Die Entstehung eines Gedichts.

Hans Magnus Enzensberger: Gedichte. Die Entstehung eines Gedichts. Nachwort von Werner Weber. Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag 1962.

Umschlag

Der Titel des Buches Gedichte. Die Entstehung eines Gedichts beginnt mit einer Auswahl aus Enzensbergers Gedichten, es folgt ein Bericht des Autors über die Entstehung eines Gedichts. Das Nachwort schrieb Werner Weber. Die für das Buch ausgewählten Gedichte sind bis auf Fränkischer Kirschgarten im Januar bereits zuvor veröffentlicht worden; Enzensberger gibt mit dieser Gedichtsauswahl eine Einführung in seine Werke. Vollkommen neu hingegen ist der nächste Abschnitt des Buches, in dem Enzensberger dem Leser sehr detailliert darlegt, wie er bei der Entstehung eines seiner Gedichte vorgegangen ist. Der Bericht beruht auf einer Rede, die Enzensberger im Jahr 1961 vor der bayerischen Akademie der Künste hielt. Zur Beschreibung des Vorgangs wählt der Autor das Gedicht An alle Fernsprechteilnehmer aus seinem Gedichtband landessprache von 1960, das allerdings nicht in der vorangehenden Auswahl erscheint.

Einleitend fordert Enzensberger dazu auf, sich mit der Poesie selbst zu beschäftigen und nicht nur über sie zu schreiben, wie es in der Sekundärliteratur der Fall ist. Er bezieht sich auf einen Aufsatz von Edgar Allan Poe, in dem es heißt, dass eine gewisse Eitelkeit der Grund dafür sei, dass Dichter oder Schriftsteller nichts über die Entstehung ihrer Gedichte preisgeben wollten. Diese Eitelkeit beruhe auf dem Bedürfnis, das Bild des Dichters als Genie aufrecht zu erhalten. In Wirklichkeit aber sei es nicht die Inspiration des Dichters oder eine übersinnliche Eingebung, die ein Gedicht entstehen ließen. Der Vorgang sei eher mit einem mathematischen Beweis zu vergleichen und keine Zeile basiere auf einem Zufall.

Im Folgenden beginnt Enzensberger anhand seines Gedichts An alle Fernsprechteilnehmer, den Vorgang der Entstehung des Gedichts zu rekonstruieren. Er nutzt dafür beispielsweise die Hilfe von Zetteln, auf denen er während der Entstehung Notizen gemacht und die er zufällig aufbewahrt hat. Er beschreibt die Suche nach bestimmten Worten, die ihm zur Vervollständigung fehlten, erklärt, welche Wortgruppen er verwendet hat und wie der jeweilige Gedanke zu einer weiteren Idee führte.

Dem Zuhörer, dem Leser lässt Enzensberger das endgültiges Urteil über den Text offen: Mögen Sie ihre eigenen Schlüsse ziehen. Wenn er Ihren Beifall oder Ihren Widerspruch gefunden, Ihr Erstaunen oder Ihren Spott erregt hat, so hat dieser Bericht über die Entstehung eines Gedichts seine Schuldigkeit getan.



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