falter. mit einem aquarell von buja bingemer.

Hans Magnus Enzensberger/Buja Bingemer: falter. mit einem aquarell von buja bingemer. Köln: Hake 1965. (tangenten, 2)

13 Blätter mit Ausstanzungen in der Mitte, am Ende der Fenster ein einmontiertes, signiertes Original–Aquarell von Buja Bingemer. Erschienen in einer Auflage von 100 nummerierten Exemplaren (und fünf römisch numerierten Autorenexemplaren).

Der Titel falter bezieht sich auf das Aquarell Bingemers, das in der Mitte der Buchseiten plaziert ist, die wie ein Stapel Passepartouts das Bild umschließen. Enzensbergers Text hat den Titel die wahrheit über buja bingemer und ist fortlaufend jeweils unter dem Aquarell gedruckt, sozusagen tangential zum Bild. Den Titelblättern folgt, bevor der Text beginnt, der ganzseitige Glanzdruck eines Fotos von Ute Klophaus. Es zeigt eine zerstörte und neu aus Kopf, einem Arm und einem Bein geformte Puppe, ein Objekt aus Buja Bingemers Serie „aus dem kleinen kz“, wie im Schmutztitel am Ende des Buches erläutert wird. Enzensbergers kurzer Prosatext beschreibt die künstlerische Praxis Buja Bingemers. Es ist eines jener Kurzporträts zwischen lakonischem Feuilleton und Poesie, die Enzensberger in den sechziger Jahren perfektionierte, bis sie fast zum Strickmuster wurden: Buja Bingemer tut dies, Buja Bingemer tut jenes, hat ein Atelier mit großen goldenen Eimern, in denen er sammelt, was er auf langen Streifzügen durch die Stadt so gefunden hat. Die Leute wagen nicht danach zu fragen, und wie soll er's ihnen auch erklären? Wenn er ein Bild, eine Collage, eine Plastik oder Ähnliches schaffen will, leert er einen Eimer aus. In diesen etwas zu sammeln und zu ordnen, ist im wesentlichen seine Tätigeit. Wo andere Künstler anfangen, vor der Leinwand, ist Bingemer „schon nahezu fertig“. Natürlich ist er Katholik, säuft katholisch und sündigt katholisch. Hauptsächlich aber ist er wählerisch.