Europa in Trümmern / Europa in Ruinen

[Vorzugs- und Normalausgabe:] Europa in Trümmern: Augenzeugenberichte aus den Jahren 1944-1948. Von Stig Dagerman, Alfred Döblin, Janet Flanner, Max Frisch, Martha Gellhorn, John Gunther, Norman Lewis, A.J. Liebling, Robert, Thompson Pell und Edmund Wilson. Gesammelt von Hans Magnus Enzensberger. Frankfurt am Main: Eichborn 1990. 302 Seiten.

[Erfolgsausgabe:] Europa in Ruinen: Augenzeugenberichte aus den Jahren 1944-1948. Von Stig Dagerman, Alfred Döblin, Janet Flanner, Max Frisch, Martha Gellhorn, John Gunther, Norman Lewis, A.J. Liebling, Robert, Thompson Pell und Edmund Wilson. Gesammelt von Hans Magnus Enzensberger. Frankfurt am Main: Eichborn 1990. 302 Seiten.

Der Titel des Bandes ›Europa in Trümmern‹ mußte nach Erscheinen der Vorzugs- und Normalausgabe aus rechtlichen Gründen in ›Europa in Ruinen‹ geändert werden. Der Inhalt des Buches blieb jedoch identisch. "Dieses Buch erschien zuerst unter dem Titel EUROPA IN TRÜMMERN als fünfundsechzigster Band in der ANDEREN BIBLIOTHEK, herausgegeben von Hans Magnus Enzensberger. Aus rechtlichen Gründen (Titelschutz) wurde der Titel für die Erfolgsausgabe geändert." (Erfolgsausgabe, S. 4)

 

Inhaltsangabe und Beschreibung der Erstausgabe

Buchumschlag der Erstausgabe
Im Band ›Europa in Trümmern‹ versammelt Hans Magnus Enzensberger verschiedene Augenzeugenberichte aus der Nachkriegszeit des Zweiten Weltkriegs und montiert sie versatzweise in chronologischer Ordnung. "Die Anordnung der Texte in diesem Buch ist streng chronologisch. Die Vorlagen sind nicht vollständig abgedruckt; die Auswahl folgt den Absichten, die der Prospekt formuliert. Kürzungen innerhalb der hier vorgelegten Passagen sind mit […] bezeichnet. Quellen aus dem sowjetischen Herrschaftsbereich fehlen, nicht aus ideologischen Gründen, sondern weil die dort verbindliche Pressedoktrin die Veröffentlichung von subjektiven Wahrnehmungen nicht zuließ. Für Rat und Hilfe möchte ich vor allem Irene Dische, Vera Graaf, Norbert Richter und André Schiffrin danken." (S. 23)

Sein mit ›Prospekt‹ überschriebenes Vorwort zum Band ›Europa in Trümmern‹ läßt Enzensberger mit vier unmittelbar hintereinander geschalteten Berichten aus der Zeit kurz nach dem Zweiten Weltkrieg beginnen, bei denen er die tatsächlichen Ortsangaben – von Orten des Nachkriegseuropa – durch Ortsangaben der Dritten Welt ersetzt hat. Er rechtfertigt dieses Vorgehen anschließend, indem er behauptet, daß das Europa der 40er Jahre nicht nur physisch, sondern auch politisch und moralisch derart zerstört war, daß es den Vergleich mit der Dritten Welt der 90er Jahre ohne weiters aushalte, auch wenn die Erinnerung an jene Zustände mittlerweile von den meisten verdrängt worden sei. Überdies begründet er die Auswahl der von ihm für die ehedem in Europa herrschenden Zustände aufgerufenen Zeitzeugen, indem er plausibel macht, warum gerade die sogenannten "Außenseiter" (S. 11), das heißt ausländische Beobachter und heimkehrende Exilanten, im Großen und Ganzen zuverlässigere Chronisten der Nachkriegszeit waren, als jene unmittelbar Betroffenen, die noch genug damit beschäftigt waren, ihre Existenz zu sichern und mit sich und den Zuständen ins Reine zu kommen. Besondere Anerkennung läßt er dabei jenen Beobachtern zuteil werden, die ihren Augen offenbar auch dort vertrauten, wo andere sich höchstwahrscheinlich Verständlicheres eingeredet hätten: "Die Spezialisten der Wahrnehmung sind am stärksten dort, wo sie am wenigsten generalisieren, wo sie die phantastischen Widersprüche der chaotischen Welt, in der sie sich bewegen, nicht zensieren, sondern stehenlassen. So schließt Max Frisch seine eingangs zitierten Notizen aus Berlin mit einer lakonischen Bemerkung, die allen kulturkritischen Erörterungen das Maul stopft: // ›Ein Hügelland von Backsteinen, darunter die Verschütteten, darüber die glimmernden Sterne; das Letzte, was sich da rührt, sind die Ratten. – Abends in die Iphigenie.‹" (S. 12)

Hans Kruschwitz
2006

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