El Cimarrón. Biographie des geflohenen Sklaven Esteban Montejo.

Hans Werner Henze: El Cimarrón. Biographie des geflohenen Sklaven Esteban Montejo / El Cimarrón. Biography of the Runaway Slave Esteban Montejo. Rezital für vier Musiker. Text aus dem Buch von Miguel Barnet. Übersetzt und für Musik eingerichtet von Hans Magnus Enzensberger. Englische Version von Christopher Keene. Mainz: B. Schott Söhne, London: Schott & Co. Ltd., New York: Schott Music Corp 1972. (Studien-Partitur Edition Schott 6327)

El Cimarrón. Biography of the Runaway Slave Esteban Montejo. Recital for four Musicians. Text from the book by Miguel Barnet. Translated and adapted for music by Hans Magnus Enzensberger. English version by Christopher Keene. Mainz: B. Schott Söhne, London: Schott & Co. Ltd., New York: Schott Music Corp. 1972. (Studien-Partitur Edition Schott 6327)

Dem musikalischen Werk „El Cimarrón – Biographie des geflohenen Sklaven Esteban Montejo“ (cimarrón heißt wörtlich "wildes Tier" oder "entlaufenes Haustier"; im übertragenen Sinn wurde ein entlaufener Sklave so bezeichnet) liegt die von Miguel Barnet verfasste Biographie über den Cimarrón Esteban Montejo aus Kuba zugrunde. Es wurde am 22. Juni 1970 auf dem Aldeburgh Festival uraufgeführt und erschien 1972 als Partitur im Schott Verlag.

Über einen Zeitraum von zwei Jahren begleitete Barnet den damals 104 jährigen Montejo und veröffentlichte dessen Biographie im Jahre 1966 in Habana. Die Biographie ist heute in aller Welt verbreitet und wurde 1969 von Hildegard Baumgart auch ins Deutsche übersetzt. An dem Buch von Barnet „zu rücken, es zu wenden und es zu bearbeiten, dazu hätte keine Veranlassung bestanden, wäre nicht im Gespräch mit Barnet und mit dem Komponisten Hans Werner Henze der Gedanke aufgetaucht, den Cimarrón zum Thema einer musikalischen Handlung zu machen.“1 Obwohl es sich bei dem neu entstandenen Werk um ein musikalisches Stück mit opernähnlichem Charakter handelt, verzichteten Enzensberger, Henze und Barnet auf den Einsatz von Schauspielern. „Von den vier Musikern, die man bei der Aufführung sieht, ‘spielt’ nicht ein einziger den Esteban Montejo, auch nicht der Sänger. Das Stück macht den Zuschauer zum Zeugen einer Handlung ohne Schauspieler. Musik und Text bilden einen einzigen Vorgang, der sich nicht in ‘Rollen’ aufspalten läßt“. (S. 107) Die Sprechweise, „der Lakonismus des Cimarrón, sein lapidarer Tonfall, eine gewisse balladenhafte Feierlichkeit, die gelassene Militanz eines Mannes, der sich sein Leben lang seiner Haut gewehrt und zugleich mit seiner Freiheit immer auch um die seiner Brüder gekämpft hat.“ (ebd.), sind die Eigenschaften Montejos, auf die Enzensberger bei seiner Bearbeitung besonderen Wert legte.

Aus dem Druck der Partitur ist nicht ersichtlich, ob sich der Text der Oper nur auf die wenigen von Henze vertonten Sätze Montejos beschränkt oder ob der gesamte Text Enzensbergers zum Vortrag vorgesehen ist, wie es die Anmerkungen Enzensbergers zum Druck in seinem Prosa-Band Der Weg ins Freie andeuten (vgl. dort).


1 Der Weg ins Freie. Fünf Lebensläufe überliefert von Hans Magnus Enzensberger. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1975. S. 106. Im Folgenden zitiert unter einfacher Seitenangabe.