Einzelheiten

Hans Magnus Enzensberger: Einzelheiten. Frankfurt a.M.: Suhrkamp 1962.

Umschlag

Einzelheiten, als erster Essayband Enzensbergers 1962 veröffentlicht, ist die vermutlich bekannteste seiner Sammlungen von Essays, Rezensionen und Reflexionen. Sie umfasst 23 Aufsätze, die im Zeitraum von 1956 bis 1962 geschrieben wurden. Die Essays sind in vier Kapiteln unterteilt, die zwar keine Überschriften tragen, aber dennoch nach Themenbereichen gegliedert sind, so dass man folgende Einteilung festlegen kann: I: Bewusstseins–Industrie; II: Polemiken und aktuelle Kommentare zur Kulturpolitik; III: Rezensionen und Reflexionen zu zeitgenössischen Autoren wie Böll, Grass, Johnson, Walser, Nelly Sachs; IV: Problematisierungen zum Themenkomplex „Poesie und Politik“.1

In dem 368 Seiten starken Buch bietet der Schriftsteller den Lesern eine Auswahl seiner für Hörfunk und Zeitschriften verfassten Arbeiten und einige neue Überlegungen. Es handelt sich nicht um große Essays „über Gott und die Welt“, sondern Enzensberger hält es für sinnvoller, „erst einmal den Details nachzugehen“.2 Er schreibt kritische Analysen von Tagesfragen, etwa über renommierte Zeitungen, hochoffizielles Mäzenatentum des Kulturkreises im Bundesverband der Industrie oder über die Selbstgefälligkeit gewisser Künstler, die glauben, „die Zukunft für sich gepachtet zu haben, wenn sie sich nur lautstark zur Avantgarde deklarieren“ (ebd.).

Das zentrale Thema dieses Buches ist die Bewusstseins–Industrie, wie auch der Titel des ersten Aufsatzes in dieser Sammlung lautet. Des weiteren handelt der erste Abschnitt, in Essays über die FAZ (Journalismus als Eiertanz. Beschreibung einer Allgemeinen Zeitung für Deutschland), den Spiegel (Die Sprache des Spiegel), die Wochenschau (Scherbenwelt. Die Anatomie einer Wochenschau) und den Neckermannkatalog (Das Plebiszit der Verbraucher), von Massenmedien und wie diese unser Bewusstsein steuern.

Die FAZ und der Spiegel reagierten sehr unterschiedlich auf Enzensbergers Angriffe. „Bis heute vergisst der Spiegel bei keiner Gelegenheit zu erwähnen, dass Enzensberger, bevor er zum hochdotierten Haus–Essayisten wurde, das Magazin einer Grundsatzkritik unterzogen hat.“3 Der Spiegel bat um Erlaubnis, die Kritik teilweise abdrucken zu dürfen, und gab vor, „sich vom schnoddrigen Magazin–Jargon“ (Lau, S. 83) zu verabschieden. „Die FAZ [hingegen] ist so sehr getroffen, dass sie ein Jahr später auf Enzensbergers Essay mit einer Rechtfertigungsbroschüre antwortet“ (Lau, S. 87).

Insgesamt sieht Enzensberger seine Essays als „kritische Handreichungen“ (Dietschreit, S. 36), ähnlich den „Gebrauchsanweisungen“ in seinen ersten beiden Gedichtbänden. Die Essays Enzensbergers sollten daher „nicht unter der Nachttischlampe vor dem Einschlafen gelesen werden, sondern bei Tageslicht am Schreibtisch“ (Karaseck, S. 139).

1964 erschien, ebenfalls im Suhrkamp Verlag, eine zweibändige Taschenbuchausgabe dieser Essays unter den Titeln Einzelheiten I und Einzelheiten II.

 

1 Dietschreit, Frank; Heinze–Dietschreit, Barbara: Hans Magnus Enzensberger. Stuttgart: Metzler 1986. S.36. Im folgenden zitiert als Dietschreit, Seitenzahl.
2 Karaseck, Hellmuth: Die unbequemen Einzelheiten. In: Über Hans Magnus Enzensberger, hg. von Joachim Schickel.. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1970. S. 139. Im folgenden zitiert als Karaseck, Seitenzahl.
3 Lau, Jörg: Hans Magnus Enzensberger. Ein öffentliches Leben. Berlin: Alexander Fest Verlag 1999. S. 80. Im folgenden zitiert als Lau, Seitenzahl.

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