Diderot und das dunkle Ei.

Hans Magnus Enzensberger: Diderot und das dunkle Ei. Berlin: Friedenauer Presse 1990.

Umschlag

Hans Magnus Enzensbergers Werk Diderot und das dunkle Ei erschien 1990 in der Friedenauer Presse. Es umfasst 29 Seiten und eine Nachbemerkung von Enzensberger.

Diderot und das dunkle Ei ist in Dialogform geschrieben: Ein Besucher aus dem 20. Jahrhundert befragt den Philosophen Denis Diderot (1713–1784). Der Besucher oder Reporter ist zunächst nur einer von vielen lästigen Gästen des französischen Enzyklopädisten. Er wird von Schauspielern, die eine Rolle nicht bekommen haben, von Autoren, die ihr Manuskript verbessert haben wollen, oder von Menschen, die sich in politische Probleme verwickelt haben, belästigt. Der Reporter hat ein Aufnahmegerät und ein Mikrophon (das dunkle Ei) bei sich, was ihn als Besucher aus dem 20. Jahrhundert identifiziert. Diese technische Errungenschaft interessiert Diderot außerordentlich, woraus sich ein interessanter und zuweilen amüsanter Dialog ergibt.

In diesem Zusammenhang ergeben sich allgemeine philosophische Fragen, aber der Leser erfährt auch etwas über das alltägliche Leben im Paris der vorrevolutionären Zeit (um 1770), sowie einige amüsante Bemerkungen über andere Philosophen wie Voltaire und d'Alembert. Inhaltlich befasst sich der Dialog hauptsächlich mit den Aporien des Fortschritts, der kommenden Herrschaft der Pädagogen und der Notwendigkeit des Luxus sowie mit Diderots parasitärer Existenz.1 In der Nachbemerkung legt der Autor zwar seine Quellen offen, hautsächlich Werke Diderots, aber es bleibt während des gesamten Dialoges offen, welche Aussagen von Diderot stammen und welche ihm von Enzensberger in den Mund gelegt wurden. Enzensberger scheint sich dem französischen Philosophen tief verbunden zu fühlen, da er ihm 1984 bereits den Menschenfreund widmete und ihn als „erste[n] Intellektuelle[n]“ (ebd.) bezeichnete. Im September 1993 fand die Uraufführung von Diderot und das dunkle Ei im Freiburger Theater unter der Leitung von Hans J. Amman statt. Die Rolle des Diderot wurde vom Kabarettisten Michael Deutschmann und die Rolle des Reporters wurde von Peter Knaak gespielt.

1Martin Halter: Klatschbasis als Aufklärung. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 28.09.1993.