Dialoge zwischen Unsterblichen, Lebendigen und Toten.

Hans Magnus Enzensberger: Dialoge zwischen Unsterblichen, Lebendigen und Toten. Frankfurt am Main: Suhrkamp 2004. 215 Seiten.

Umschlag

Dieses Buch von Hans Magnus Enzensberger ist ein Sammelband, der neben zwei Erstveröffentlichungen, Fünf Unterhaltungen über ‘Jacques le fataliste’ sowie Metakommunikation. Ein Dialog, Essays und Dialoge aus vorangegangenen Werken des Autors enthält, so z.B. aus Der fliegende Rober (1989), Diderots Schatten (1994) oder Nieder mit Goethe! Eine Liebeserklärung (1995).

Enzensberger bedient sich der Form antiker Götter- und Totengespräche, wobei er Persönlichkeiten aus verschiedenen Epochen sowie deren Anhänger und Kritiker zu Wort kommen lässt. So entsteht eine interessante Mischung aus Reflexionen über literarische Werke und deren Schöpfer. Im Klappentext heißt es, es kämpften in diesem Buch „Tragikomödien der Intelligenz mit denen der Körper“, wobei bis zur letzte Seite kein Sieger festgestellt werden könne.

Im Gegenteil: Am Ende kommt es zu einer Vereinigung der scheinbaren Antipoden, gezeigt am Beispiel der Auseinandersetzung zwischen einem Broker und einem Terroristen: „Ihr Streit kulminiert in einem musikalischen Duett, bei dem sich zeigt, daß der Jargon des Brokers und die Parolen des Extremismus ebenso schrill wie nahtlos ineinander übergehen.“ (Klappentext)

Von besonderem Interesse bei diesem Buch sind die Erstveröffentlichungen. In den Fünf Unterhaltungen über ‘Jacques le fataliste’ führen zwei Personen, die lediglich mit ‘der eine’ und ‘der andere’ betitelt sind, einen Dialog über das gleichnamige Werk Diderots aus dem Jahr 1786. Sie streiten sich, sie beleidigen sich und den Autor Diderot selbst dabei, sie fordern gegenseitig Beweise für ihre Behauptungen. ‘Der andere’ preist das Werk Diderots in höchsten Tönen und weiß jede Zeile zu verteidigen. ‘Der eine’ hingegen drückt in knappen, oft unsachlichen Sätzen sein Entsetzen über den Gegenstand aus. Er wirkt wie ein Kläger, der auf sein Recht pocht und sich beleidigt und ungerecht behandelt fühlt. Zu einer Einigung gelangen die beiden nicht. Der Dialog endet mit der Behauptung ‘des anderen’: „Noch im 21. Jahrhundert werden wir die Geheimschrift lesen, die er seiner Flaschenpost anvertraut hat.“ (S. 86)

Ein wenig sarkastischer ist der Text Metakommunikation. Ein Dialog. Hier unterhalten sich ‘der eine’ und ‘der andere’ über die Frage, von welchem Nutzen öffentliche Kommunikation, in Form von Debatten, Vorträgen etc. ist. Sie betreiben also Metakommunikation: Kommunikation über Kommunikation. ‘Der andere’ meint, öffentliche Kommunikation sei vollkommen überbewertet und eigentlich sinnlos. Was man bei solchem Anlaß versäume, könne man schließlich irgendwann auch im Druck lesen, man „verpasse“ dadurch nichts. Am Ende der Diskussion kann man sich das Schmunzeln nicht verkneifen, wenn die beiden ein Geschäft über den Abdruck von Reden abschließen: Die Diskussionspartner sind selbst Kommunikationswissenschaftler und referieren, oder besser kommunizieren am liebsten öffentlich über Kommunikation. Der letzte Satz lautet: „Na also! Ich sehe, wir haben uns verstanden.“ (Der eine; S. 93)



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