Brentanos Poetik

Hans Magnus Enzensberger: Brentanos Poetik. München: Hanser 1961.

Umschlag

Brentanos Poetik ist 1961 im Carl Hanser Verlag erschienen. Zu Beginn dieses Buches findet man eine Einführung des Herausgebers Walter Höllerer sowie das Inhaltsverzeichnis. Es folgt der Haupttext, der in zehn Kapitel unterteilt ist. Abgeschlossen wird der Band durch eine Nachbemerkung Enzensbergers, Anmerkungen und ein Literaturverzeichnis.

Brentanos Poetik ist Enzensbergers Doktorarbeit, die er 1953 verfasste. Der ursprüngliche Titel seiner Arbeit lautete: „Über das dichterische Verfahren in Clemens Brentanos lyrischem Werk“. Er untersucht Brentanos Poetik anhand mehrerer Gedichte, darunter Wiegenlied eines jammernden Herzen, oder Wenn der lahme Weber träumt. Man erfährt, dass Brentanos dichterische Einstellung „genau in der Mitte zwischen der Goethes und der der beiden Grimm“ liegt: „[S]ie ist insofern einzigartig.“ (S. 111) Was ihn als ersten deutschen Dichter kennzeichne, sei der „Unterschied, der sich auftut zwischen empirischem und dichterischem Ich“. (S. 11) Brentano war jedoch nicht in der Lage, seine eigenen Werke einzuschätzen. „Seine Äußerungen darüber schwanken in charakteristischer Weise zwischen hoher Zuversicht und niedergeschlagenem Aburteil.“ (S. 131). Aber, so Enzensberger: „Ein Dichter [...] ist ja nicht gehalten, zu ‘verstehen’, was er schreibt.“ (S. 123)

Brentano hat im 19. Jahrhundert nur wenig Verständnis gefunden, deshalb ist „über seine Stellung in der Geschichte der neueren Poesie“ (S. 137) nicht viel bekannt. Enzensberger faszinierte die Biographie dieses „exzentrischsten aller deutschen Romantiker“ (Lau, S. 30). Enzensberger sieht Brentano als einen Mensch, „der es verdient, dass die Nachwelt sich nicht nur seiner Werke und Tage annimmt, sondern seiner selbst.“ Clemens Brentano sei ein Rätsel, das keine Biographie eröffnen kann.“ (S. 9) Jörg Lau schreibt in seinem Buch über Enzensberger: „Enzensberger erweist sich im entstellenden Gebrauch alltagssprachlicher Wendungen als Brentanos kongenialer Schüler. (...) Man muss nur ein paar Details weglassen und Enzensbergers Namen an die Stelle Brentanos setzen – und schon hat man ein seltsam prophetisches Selbstbildnis.“ (Lau, S. 32)

 

1 Jörg Lau: Hans Magnus Enzensberger. Ein öffentliches Leben. Berlin: Alexander Fest Verlag. S. 111.


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