Gedichte, Erzählungen, Briefe

Brentano, Clemens: Gedichte, Erzählungen, Briefe, hg. von Hans Magnus Enzensberger. Frankfurt am Main und Hamburg: S. Fischer Oktober 1958 (= Fischer Bücherei 231).

Umschlag
Enzensberger gibt zu Beginn eine kurze Notiz über die Intention seiner Sammlung und den Autor Clemens Brentano. Zweifellos zählt Brentano für ihn zu den bedeutendsten deutschen Dichtern. Sein zentrales Wirkungsgebiet verortet Enzensberger in der romantischen Poesie. Brentano sei in einer Epoche geboren, in der das romantische Spannungsverhältnis sich von Ursprungserfahrung über Bewusstseinshelle bis zur Tragik hin erstreckte. Charakteristisch für Brentanos Dichtung seien radikale confessiones und eine feine Empfindsamkeit. Die Stilistik seines Prosawerkes sei von geradezu experimenteller Modernität.

Die Absicht des Buches liegt in der Erstellung einer Zusammenschau wesentlicher Werkpartien Brentanos, die den Lesern, auch durch die Verknüpfung mit ausgewählten Briefen, einen transparenten Einblick in seine Existenz und die Quintessenz der literarischen Epoche geben sollen. Nach Enzensberger kulminiert das Epochenproblem in der Erkenntnis: „Wir hatten nichts als die Phantasie und sie hat uns teils wieder aufgefressen.“ Brentano habe versucht, die Kluft zwischen Bewusstsein und Ursprungserlebnis durch die poetische Tat zu überbrücken, sei aber letztlich aufgrund der utopischen Qualität des Vorhabens gescheitert.

Dem Prolog von Enzensberger schließt sich ein Kurzporträt Brentanos von Joseph von Eichendorff an, bis dann der eigentliche Teil des Buches mit der Präsentation von 59 Gedichten beginnt. Es folgen 6 Erzählungen und 23 Briefe. Dann gibt Enzensberger ein Nachwort, das er in fünf Abschnitte (Der Skandal / Die Lebensspur / Das Werk / Der Ruhm / Rechenschaft des Herausgebers) unterteilt. Im ersten Abschnitt geht er insbesondere auf das ambivalente und rätselhafte Wesen Brentanos und die Probleme mit seiner Umwelt ein. Hinter der zweiten Überschrift verbirgt sich nichts anderes als ein chronologischer Abriss seines Lebens. Im Abschnitt „Das Werk“ zeigt Enzenberger auf, welchem Wandel die literarische Welt, besonders die Dichtkunst, unterlag und wie Brentanos Werk damit verwoben war. Der vierte Abschnitt behandelt in aller Kürze die Wirkungsgeschichte. Im letzten Unterabschnitt führt Hans Magnus Enzensberger die Gründe auf, die ihn zur Herausgabe dieses Buches bewogen haben. Das Buch schließt mit einer Bibliographie der Werke, die dieser Ausgabe zugrunde liegen, den Titeln, Anfangszeilen und Entstehungsdaten der Gedichte sowie den Titeln und Entstehungsdaten der Erzählungen. Enzensberger verweist auch auf weiterführende Literatur. Auf dem Buchrücken findet sich ein weiterer Lebensabriss Brentanos, der wahrscheinlich aber nicht von Enzensberger verfasst wurde.

Armin Mannich
2006

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