Die Andere Bibliothek

Hans Magnus Enzensberger und Franz Greno: Die Andere Bibliothek 1985.

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„Die Einwohner der Bundesrepublik sind mit Büchern gut versorgt. Der Umsatz liegt bei vielen Millionen und jedes Jahr erscheinen tausende neue Titel. Nörgler und Unzufriedene gibt es immer. Wir zählen uns zu ihnen. Deshalb wollen wir damit anfangen, die Andere Bibliothek zu veröffentlichen: und wir haben nicht die Absicht, damit aufzuhören, solange wir unzufrieden sind. Das kann sehr lange dauern.“ (Zitiert nach www.eichborn.de: Die Andere Bibliothek - ein Rückblick auf 20 Jahre.)

Mit dieser Ankündigung hielt Ende 1984 eine neuartige Buchreihe Einzug in die Literaturwelt, die den damaligen Trends völlig entgegenstand. Jeden Monat sollte im Greno- Verlag (Nördlingen) ein von Enzensberger ausgewähltes und von Greno illustriertes Buch auf dem Markt erscheinen, auf extra hergestelltem, alterungsbeständigem Papier mit Monotypelettern gedruckt, ganz nach Art der alten Buchdruckerkunst. Der Einband (Schuber) eines jeden Werks sollte auf den jeweiligen Inhalt abgestimmt und illustriert werden. Der Preis dieser normalen Ausgaben betrug 25 DM, hinzu kam noch eine nummerierte, in Leder gebundene Vorzugsausgabe für Sammler für 98 DM. Auch ein zu jedem Buch erscheinendes Magazin war geplant. Am 18. Januar 1985 erschien der ersten Band der Anderen Bibliothek, „Lügengeschichten und Dialoge“ von Lukian von Samosata, ein in Vergessenheit geratener Klassiker. Generell beschränkt sich die Andere Bibliothek nicht auf eine bestimmte Literaturart, sondern liefert eine große literarische Spannbreite. Vergessene Klassiker, Sachbücher, Essayistik und Weltliteratur finden sich ebenso wie Märchen, Prosa oder Werke einheimischer Autoren, nur Bücher, die die Gründer der Buchreihe selbst gerne lesen (vgl. Jörg Lau: Hans Magnus Enzensberger. Ein öffentliches Leben. Frankfurt am Main 2001). 1989 gingen die Rechte an der Anderen Bibliothek in den Besitz des Eichborn-Verlages (Frankfurt am Main) über, Hans Magnus Enzensberger fungierte jedoch weiterhin als Herausgeber, Franz Greno als Illustrator und Drucker. Allerdings gab es Abstriche. Es gab nur noch eine limitierte Bleisatzausgabe (1. Auflage, 6000-12000 Exemplare), die folgenden Auflagen entstanden als so genannte Erfolgsausgaben im preisgünstigeren Offsetdruckverfahren. 1997 schwand der aufwändige Bleisatzbuchdruck dann vollends und wurde, mit Grenos Einverständnis, durch den modernen Computersatz ersetzt. Ende 2004 kündigten Enzensberger und Greno aus heiterem Himmel das Ende der Buchreihe an (vgl. www.eichborn.de: Rückblick). Der im September 2005 erschienene Band 249 sollte der letzte sein, obwohl die Verträge beider noch bis 2007 gültig sind. Nach eigener Aussage ist Enzensberger schon immer „gegen das Lebenslängliche als Prinzip“ gewesen. Nach dem großen Erfolg der letzten Ausgaben sei es an der Zeit „dem Spiel ein Ende zu setzen“. Es folgte ein Rechtsstreit zwischen Herausgebern und Verlag, der mit einer Niederlage für Hans Magnus Enzensberger und Franz Greno endete. Im Oktober 2005 erklärte der Eichborn- Verlag, dass die Andere Bibliothek bis Ende 2007 fortgeführt wird (vgl www.eichborn.de: Pressemeldungen).

Nicola Gottfroh und
Stefanie Lürkens
2006

Einzelbände

Materialien

Pressestimmen

Humboldt-Projekt 2004

Bedeutende Erfolge